Erdrutsch-Katastrophe in Sierra Leone

von Redaktion

Freetown/Johannesburg – Die Ambulanzfahrer von Freetowns Connaught-Hospital sind im Dauereinsatz. Seit der ersten Nachricht über den gewaltigen Erdrutsch an einem der Hügel im Regent-Distrikt bringen sie immer mehr Leichen und Verletzte ins größte Krankenhaus des westafrikanischen Landes. Örtliche Medien berichteten von weit mehr als 350 Toten, darunter mehr als 100 Kinder. „Es ist möglich, dass Hunderte tot unter dem Geröll liegen“, sagte Vizepräsident Victor Foh. In mehr als 1000 verschütteten Häusern würden weitere Opfer befürchtet.

Es herrscht Chaos aus rauschenden Wassermassen und verschütteten Häusern. Das Internationale Komitee des Roten Kreuzes erwähnt rund 3000 Obdachlose. Präsident Ernest Koroma sprach von einer „nationalen Tragödie“ und großer Trauer.

Die Bevölkerung wird aufgerufen, die gefährdeten Gebiete zu meiden. Die bewachsenen Hügel an der Küste gaben dem Land mit seinen sieben Millionen Einwohnern einst den Namen – Sierra Leone ist Spanisch und bedeutet Löwenberge. Die Bezeichnung soll von einem portugiesischen Seefahrer kommen.

Jetzt wird an einer der Hangflanken in langen Schlangen in einem Wettlauf gegen die Zeit nach Vermissten gesucht. Die Lage ist verzweifelt, es fehlt Räumgerät. Mit Schaufeln, Baggern oder auch mit bloßen Händen werden im weiter strömenden Regen Steinbrocken weggeräumt und Löcher gegraben.

Es sind verzweifelte Bilder aus dem geschundenen Land im Westen Afrikas, das während der Ebola-Seuche und einem jahrelangen Bürgerkrieg international Schlagzeilen machte. Noch heute tragen viele bein- oder arm-amputierte Menschen die Narben dieses Schlachtens, bei dem verstümmelt, vergewaltigt und gemordet wurde und zehntausende Kinder als Soldaten zwangsrekrutiert wurden.

Hollywood fand hier Inspiration, als es 2006 den heute international geächteten Handel mit Blut-Diamanten in dem Film „Blood Diamond“ thematisierte. Obwohl immer wieder Diamantenfunde für Schlagzeilen sorgen, brachten die Glitzersteine Sierra Leone kein Glück. Die bescheidenen Fortschritte nach Krieg und Ebola stehen jetzt ebenso wie der gesellschaftliche Zusammenhalt wieder auf dem Prüfstand. Ralf Krüger

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