Der guten Vollständigkeit halber sollte auch diese Meldung den Weg in die Zeitung finden: Angela Merkel hat nach der Rückkehr aus ihrem Urlaub mit dem Wahlkampf begonnen. Gäbe es nicht ein paar fleißige Journalisten, die darüber berichten, dass es von den Auftritten der CDU-Vorsitzenden wenig bis nichts zu berichten gibt, hätte das vermutlich keiner mitbekommen. Sommerlich träge dümpelt der politische Betrieb dahin – sechs Wochen vor einer Bundestagswahl! Erstaunlich.
Der große Auftritt ist nicht Merkels Sache. Sie löst Probleme anders. Im einzigen innenpolitischen Thema, das die Gemüter derzeit in Wallung bringt, hat sie am Montag fast beiläufig eine Wende eingeleitet. Nicht auf der Wahlkampfbühne, sondern in der „Super Illu“, sonst nicht als verkehrspolitisches Fachblatt bekannt, unterstrich die Kanzlerin zwar wie derzeit alle Unionspolitiker die Bedeutung des Diesel, doch ganz nebenbei erklärte sie auch, dass ein mittelfristiges Verbot von Verbrennungsmotoren bei Neuzulassungen „im Ansatz richtig“ sei. Auf eine konkrete Jahreszahl wollte sich die ehemalige Umweltministerin nicht festlegen. Natürlich nicht.
Damit beruhigt Merkel die teilweise hysterisch geführte Debatte auf die ihr eigene Art und Weise: Nach dem Autogipfel, bei dem es für niemanden etwas zu gewinnen gab, überließ sie ihren Ministern das undankbare Scheinwerferlicht. Sie war ja im Urlaub! Jetzt wagt sie sich genau so weit aus der Deckung, dass sie den Grünen ein schönes Wahlkampfthema raubt – und, wie praktisch, gleich den Hinderungsgrund für eine künftige Koalition mit der Ökopartei beseitigt. Ob sie die eigene Basis damit quält, schert Merkel dagegen nicht. Längst sitzt sie wieder so fest im Sattel, als hätte es die Flüchtlingskrise nie gegeben.
Mike Schier
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