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Obst und Gemüse kommen meist ohne Plastik aus

von Redaktion

Immer noch ist der größte Teil des Obst- und Gemüseangebotes in Supermärkten und Discountern vorverpackt. Doch seit geraumer Zeit fällt mehr und mehr lose angebotene Ware auf. Der Kunde hat die Möglichkeit, seine entsprechende Wahl direkt in den Einkaufswagen zu legen oder in hauchdünne Plastikbeutel, in der Fachsprache „Knotenbeutel“ einzusackeln. Immerhin fällt damit rund 8 mal weniger Müll an, als mit Plastikschalen.

Alleine in Deutschland belief sich im Jahr 2015 die produzierte Kunststoffmenge auf 18,45 Millionen Tonnen. Das wichtigste Einsatzgebiet für Kunststoff ist der Verpackungsbereich. Das Meiste wird allerdings nur einmalig verwendet. Was bleibt, ist eines der größten Probleme für die Umwelt. Plastik zersetzt sich nur sehr schwer und braucht bis zu seinem Zerfall mehrere hundert Jahre. Je mehr Kunststoffartikel und insbesondere Wegwerfartikel wie Plastiktüten oder Plastikverpackungen produziert werden, desto dringlicher wird die Frage nach dem Recycling. Jährlich fallen alleine in Deutschland etwa fünf Millionen Tonnen Kunststoffabfälle an. Das neue „lose“ Angebot macht also durchaus Sinn. Nur wirft sich die Frage nach der Hygiene auf. Brauchen wir in Deutschland für Kunden Einmalhandschuhe in der Obst- und Gemüseabteilung? In einigen Nachbarländern wie Italien ist das üblich, wenn auch alleine durch den erneuten Anfall von Kunststoffmüll umstritten.

Fakt ist, dass das im Handel befindliche Obst und Gemüse bereits zuvor durch viele Hände ging. Der beste Schutz vor zu vielen Keimen ist das sorgfältige Waschen der Ware vor der Verarbeitung beziehungsweise dem Verzehr. Rohes Obst und Gemüse kann – wenn auch sehr viel seltener als tierische Produkte – mit Erregern von Lebensmittelinfektionen kontaminiert sein. Deshalb:

-Obst, Salat und Gemüse grundsätzlich vor dem Verzehr oder der Verarbeitung mit fließend kaltem Trinkwasser waschen. Wiederholtes Waschen ist besser als einmaliges Waschen in stehendem Wasser des Waschbeckens.

-Obst und Gemüse nach dem Waschen nicht nass liegen lassen. Das fördert das Wachstum von Mikroorganismen und kann den ganzen Wascheffekt aufheben.

-Angeschimmeltes oder Angefaultes grundsätzlich wegwerfen. Schimmelsporen und Fäulniserreger können sich durch den hohen Wassergehalt in Obst und Gemüse leicht verbreiten. Gesundheitliche Gefahren sind wissenschaftlich belegt. Erhitzen oder andere küchentechnische Behandlungen wie schälen nutzen nichts.

Wenn gerade Bio-Ware in konventionellen Supermärkten nur vorverpackt zu haben ist, liegt es angeblich an der Verwechslungsgefahr mit konventioneller Ware. Tatsache ist allerdings, dass Verpackungen für den Handel logistische Vorteile beim Transport und Stapeln bieten. Kunden sind außerdem oft gezwungen, mehr zu kaufen als geplant, und an der Kasse geht es schneller, da nicht mehr gewogen werden muss. Verpackungen machen das Geschäft in der Regel effizienter und daher angeblich sogar günstiger als ohne Verpackungen.

Darüber hinaus argumentiert der Handel mit Hygiene, Frische und Schutz der Produkte, was jedoch für die wenigsten Produkte nachvollziehbar ist.

Um seine Kunden vor Infektionen mit gefährlichen Keimen durch indirekte Kontaktübertragung zu schützen, hat jetzt ein brasilianischer Feinkost-Supermarkt seine Einkaufswagen mit antimikrobiellen Handgriffen aus Kupfer ausgestattet. Hunderte von Händen greifen normalerweise Tag für Tag zu Einkaufswagen – und kaum jemand macht sich Gedanken darüber, wer denn wohl vorher daran gefasst hat. Normalerweise sind Griffe für Einkaufswagen aus Plastik – hochkontaminiert mit unterschiedlichsten Erregern, die so mancher Kunde mit sich herumträgt.

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