„Unsere Elefanten in Hellabrunn tragen keine Kleidung“

von Redaktion

Navin Adami arbeitet jeden Tag mit den Dickhäutern: Er erklärt, was der Unterschied zwischen echten Tieren und Benjamin Blümchen ist

Navin Adami, 43, seit mehr als 15 Jahren Elefantenpfleger im Tierpark Hellabrunn in München.

-Wie viel Benjamin steckt in echten Elefanten?

Die einzige Gemeinsamkeit, die mir einfällt, ist das Aussehen. Wobei: Unsere Elefanten tragen keine Kleidung. Aber Benjamin ist ein Elefantenbulle, grau, mit Stoßzähnen…

-… die hat er inzwischen auch nicht mehr.

Nicht? Ich kenne noch die frühen Folgen, da wurde er noch mit ganz kleinen gezeichnet. Also die meisten Bullen haben Stoßzähne. Elefanten gehen auch nur ganz, ganz selten mal auf zwei Beinen. Weder fressen sie Zuckerstückchen, noch machen sie Törööö.

-Wie machen sie denn dann?

Sie können sich mit den verschiedensten Geräuschen verständigen, vom tiefen Grummeln bis zu Tönen, die wir nicht mehr wahrnehmen. Manchmal klingen sie sogar wie ein brüllender Löwe. Typisch ist das Trompeten. Das machen Elefanten aber nur, wenn sie aufgeregt sind.

-Wie sieht es denn mit dem Charakter aus? Benjamin ist ja die Liebenswürdigkeit in Person…

Unser Gajendra ist tatsächlich umgänglich und kooperativ. Aber man darf nicht vergessen: Elefanten sind und bleiben Wildtiere. Bullen können für Menschen gefährlich werden und sind auch deutlich temperamentvoller als Benjamin Blümchen. Außerdem sind sie außerhalb der Paarungszeit Einzelgänger.

-Das heißt, Freundschaften mit Menschen schließen sie auch nicht?

Eher Zweckgemeinschaften. Als Elefantenpfleger müssen wir die Tiere und ihre unterschiedlichen Charaktere und Besonderheiten aber schon gut kennen. Und sie müssen uns kennen und uns vertrauen. Wenn man morgens in den Stall kommt, sieht man sofort: Hat der Elefant gut geschlafen oder nicht? Umgekehrt weiß der Elefant, wie ich drauf bin.

-Das heißt, Ihre Elefanten können Menschen schon irgendwie verstehen – auch, wenn sie nicht ihre Sprache sprechen?

Sie haben verschiedene Kommandos gelernt wie „Rüssel hoch“ oder „Hinlegen“. Wir versuchen aber, das aufs Nötigste zu beschränken und die Elefanten soweit es geht sich selbst in der Herde zu überlassen.

-Benjamin lernt schnell, sogar Lesen und Rechnen. Aber sein Gedächtnis ist nicht das beste… Wie ist das tatsächlich bei Elefanten?

Von Elefant zu Elefant verschieden. Aber Elefanten sind clevere Tiere mit gutem Gedächtnis. Sie brauchen immer einen Anreiz, wenn sie etwas tun sollen, denken mit und finden oft eine Möglichkeit, sich selbst zu beschäftigen, wenn wir Feierabend haben. Da stehen wir dann manchmal morgens vor einer zerlegten Futterkugel…

-Benjamin Blümchen macht ja auch öfter mal etwas kaputt, weil er so tollpatschig ist. Kommt das bei Elefanten auch vor?

Im Gegenteil. Sie wissen ganz genau um ihre Größe und Stärke. Gleichzeitig sind sie sehr feinfühlig, zum Beispiel, wenn sie mit dem Rüssel etwas abtasten. Oder wenn sie ihren Schweif beim Rückwärtslaufen wie eine Antenne einsetzen, mit der sie spüren, wo sie langgehen können. Sie können auch zum Beispiel ohne Probleme auf einem dreißig Zentimeter breiten Baumstamm balancieren.

-Zum Schluss noch mal zurück zu den Zuckerstückchen: Mögen die Elefanten die wirklich nicht?

Elefanten sind Vegetarier, sie bekommen bei uns Heu, jetzt im Sommer Kleegras. Außerdem Äste für die Zahnpflege. Als Anreiz und Belohnung gibt es ab und zu Äpfel, Karotten und anderes Gemüse. Also grundsätzlich essen sie gesund. Zuckerstückchen würden sie bestimmt probieren, aber das lassen wir mal lieber. Was wir dagegen aus Erfahrung ganz sicher wissen: Elefanten haben keine Angst vor weißen Mäusen.

Interview: Anne-Nikolin Hagemann

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