Meiner Freundin Klara sträuben sich normalerweise die Federn, wenn wir anderen Enten Lust auf Abenteuer haben. Gestern wollte aber auch sie mit. „Lasst uns zu einem Labyrinth fliegen“, schlug Agnes vor. Klara hatte zwar keine Ahnung, was ein Labyrinth ist, nickte aber. Wir flogen also Agnes hinterher und erreichten ein Maisfeld. Meine Freundin zeigte mit dem Flügel nach unten: „Da ist es!“, quakte sie. Wir sahen Zweibeiner darin herumirren. An einigen Stellen wuchsen keine Maispflanzen. Von oben konnten wir sehen, dass das Feld von Gängen durchzogen war. Manche endeten einfach irgendwo, wie auch ein paar der Zweibeiner dort unten feststellen mussten. „Die armen Leute sehen ja gar nicht, wo es hinausgeht“, quakte Klara. „Das ist doch das Lustige an einem Labyrinth“, schnatterte Agnes. Die Zweibeiner schienen tatsächlich Spaß zu haben. Da fiel mir ein anderes Labyrinth ein – eines aus Stein: das Luisenburg-Felsenlabyrinth bei Wunsiedel im Norden Bayerns. Im Gegensatz zu den Gängen im Maisfeld wurde das seltsame Felsenmeer nicht von Menschen geformt. Das Labyrinth entstand, weil Wind und Wetter dem Gestein in vielen Jahrtausenden arg zugesetzt haben: Steine kippten um, es bildeten sich Höhlen und Gänge, manchmal blieben nur enge Spalten frei. Wir Enten wollten das unbedingt sehen und flatterten los. Eure Paula