Der Löwen-Wahnsinn in Person

von Redaktion

Torjäger Sascha Mölders verkörpert die aktuelle Euphorie um den TSV 1860 besonders eindrucksvoll

VON ARMIN GIBIS

München – Sascha Mölders machte kurz den Eindruck, als nähme er einen ungestümen Anlauf, um vor Freude über das Gitter vor der Westkurve zu springen. Mit ausgebreiteten Armen, die Zähne fletschend, abwechselnd Fäuste und Finger reckend stürmte er nach seinem Führungstor den Fans entgegen. Mölders schien zu explodieren vor Hochgefühlen.

Viel eindrucksvoller konnte man die Stimmung, die beim 5:0 (3:0) gegen den FV Illertissen im Grünwalder Stadion vorherrschte, nicht verkörpern. Nach der Partie sagte der Angreifer: „Hier war fünf Minuten lang die La-Ola-Welle. Man kann die Stimmung auf dem Rasen gar nicht beschreiben – es ist der Wahnsinn.“ Und in seinen temperamentvollsten Momenten ist Mölders eben der Löwen-Wahnsinn in Person.

Bierofka überredete Mölders zu bleiben

Dabei standen vor ein paar Monaten die Zeichen bereits auf Abschied. Nach dem Absturz von der 2. in die 4. Liga hatte der gebürtige Essener mit einem Wechsel geliebäugelt. Die Rückkehr nach Nordrhein-Westfalen war eine Option, angeblich auch ein Engagement beim FC Bayern II. Doch 1860-Trainer Daniel Bierofka leistete intensive Überzeugungsarbeit („er hat sich sehr um mich bemüht“), zudem meldeten sich auf Facebook rund 3000 1860-Fans, die dem beliebten Kämpfer zusprachen, ein Löwe zu bleiben. Mölders entschied sich erst unmittelbar vor Saisonbeginn zugunsten der Blauen. „Ich wollte Sechzig helfen“, erklärte er.

Drei Wochen hatte der Routinier im Urlaub auf einem Kreuzfahrtschiff verbracht, das süße Leben bescherte ihm einige Kilo Übergewicht, in die Saison stieg er praktisch ohne Training ein. „Es ist der Wahnsinn, wie Sascha das alles ohne Vorbereitung weggesteckt hat“, sagte Bierofka, „ich hatte Angst, dass er in ein Loch fallen oder sich verletzen könnte.“ Doch es kam anders. „Durch die vielen Spiele kommt Sascha immer besser rein. Er wird von Woche zu Woche besser und fitter. Man hat gesehen, wie wichtig er für uns ist“, befand der Löwen-Coach.

Dass sich Mölders, der nimmermüde Brecher im Angriffszentrum, seiner Bestform nähert, bewies er beim Schützenfest gegen Illertissen. Mit seinem Doppelpack zur 2:0-Führung (31. und 40. Minute) sorgte er für die Vorentscheidung gegen die anfangs aufmüpfigen Gäste. „Seine Tore waren der Dosenöffner“, sagte Teamkollege Christian Köppel. Es hätte sogar ein Hattrick werden können. Doch beim Foulelfmeter kurz vor der Halbzeit entschloss sich Mölders zum Verzicht. „Ich hatte mich sicher gefühlt. Aber Timo Gebhart meinte, er haut ihn rein. Also habe ich ihm den Vortritt gelassen“, erzählte der Chefangreifer. Gebhart verwandelte den Strafstoß und zog mit seinem fünften Saisontor mit Mölders gleich.

Dem möglichen Hattrick – es wäre sein erster im Löwen-Trikot gewesen – trauerte Mölders aber nicht nach. Vielmehr nahm er die Sache in der Manier des Teamplayers: „Wenn du zwei Tore machst und 5:0 gewinnst, dann ist alles in Ordnung.“

Artikel 1 von 11