Die Jagd auf die Attentäter

von Redaktion

Drei Marokkaner und ein Spanier nach Anschlägen in Touristenhochburgen festgenommen – Der Hauptverdächtige ist weiter auf der Flucht

München – Die Polizei hat es kommen sehen. Die Sicherheitsbehörden warnten die Stadtoberen von Barcelona schon vor Monaten: Ein Terroranschlag auf den Las Ramblas sei eine Gefahr. Jetzt ist genau das passiert. Die Stadt entschied sich gegen Poller, und die Ermittler jagen nun Attentätern hinterher. Sie vermuten eine organisierte Zelle von Islamisten.

Nur 20 Minuten, nachdem der Fahrer des Vans am späten Donnerstagnachmittag mit tödlicher Absicht in die Menschenmenge raste, informiert die Polizei die Öffentlichkeit über Twitter darüber. Da läuft die Arbeit der Sicherheitsbehörden schon auf Hochtouren. Sie werden bis Freitag drei Tatorte verknüpfen, vier Männer zwischen 20 und 30 Jahren festnehmen – und nach ihrem Hauptverdächtigen fahnden: dem 17-Jährigen Moussa Oukabir.

Ob tatsächlich er den Lieferwagen fuhr, der in Barcelona als Waffe diente, und wie viele mit ihm darin saßen, war zuletzt noch immer nicht klar. Der Fahrer jedenfalls soll ein Mann von etwa 1,70 Meter Größe gewesen sein und ein weißes Hemd mit blauen Streifen getragen haben – und nach der Todesfahrt zu Fuß geflüchtet sein.

Der Wagen gehörte einer Leihwagenfirma, ein zweiter Van, den die Attentäter womöglich als Fluchtwagen nutzen wollten, wird Berichten zufolge nahe Barcelona gefunden. Bald ist der Polizei klar: Sie hat es mit einem Terroranschlag zu tun. Die IS-Terrormiliz reklamiert den Anschlag am Abend für sich – was noch nicht als Beweis gelten kann. Zu dieser Zeit, nur wenige Stunden nach der Auto-Attacke, hat die Polizei bereits zwei Verdächtige festgenommen: einen Spanier aus der Exklave Melilla in Nordafrika und einen Marokkaner. Einen der beiden fasst sie in Ripoll, etwa 100 Kilometer im Norden von Barcelona: Driss Oukabir, den älteren Bruder von Moussa Oukabir. Den zweiten Mann greift sie in Alcanar auf. In diesem Ort, im äußersten Süden der Region Katalonien, war am Abend zuvor ein Wohnhaus explodiert, ein Mensch stirbt, sieben werden verletzt. Laut der spanischen Zeitung „El País“ sollen dort rund 20 Gasflaschen gefunden worden sein. Die Polizei vermutet schnell eine Verbindung mit der Todesfahrt auf der Touristenmeile in Barcelona: In dem völlig zerstörten Haus sei der Anschlag vermutlich vorbereitet worden.

Während die Ermittler in der Nacht auf Freitag noch den Horror von Las Ramblas aufarbeiten und womöglich mehreren Attentätern auf der Spur sind, passiert die nächste Attacke: Gegen 1.30 Uhr rücken erneut Sicherheitskräfte aus, zu einem Einsatz in einer weiteren Touristenhochburg, im katalanischen Küstenort Cambrils, diesmal rund 100 Kilometer südwestlich von Barcelona. Dort hatte die Polizei mehrere Menschen in einem Wagen kontrolliert. Die Verdächtigen rasen aber davon, so berichten spanische Medien, und fahren auf der Flucht Passanten um. Ihr Fahrzeug kippt, die Insassen versuchen zu fliehen, doch die Beamten erschießen die fünf mutmaßliche Terroristen; einer von ihnen war möglicherweise der Attentäter von Barcelona. Sie trugen Sprengstoffgürtel-Attrappen und sollen kurz vor einem Anschlag gestanden haben. Eine Passantin erliegt am Morgen ihren schweren Verletzungen.

Bis Freitagabend nimmt die Polizei zwei weitere Verdächtigen fest, erneut in Ripoll. Dort lebte Berichten zufolge auch der minderjährige Moussa Oukabir, den sie weiter auf der Flucht vermuten. Er soll seinem Bruder den Pass gestohlen und damit den Transporter angemietet haben. Die Polizei geht laut „El País“ davon aus, dass die Zelle zwölf Mitglieder hatte. In Deutschland ermittelt der Generalbundesanwalt. Das Verfahren läuft mit Blick auf deutsche Opfer. Sophie Rohrmeier

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