München – Irgendwann wurde es ungemütlich, und zwar richtig. Von Carlo Ancelotti sah man in den Minuten, in denen am Freitagabend ein Gewitter der allerfeinsten Art über der Allianz Arena niederging, kurz nichts, der Bayern-Trainer hatte Zuflucht auf der Bank gesucht. Aber Heiko Herrlich blieb standhaft – und lieferte das Bild dieses Abends, an dem die Bundesliga in ihre 55. Saison startete. Der Leverkusener Trainer stand im Regen, und zwar in der bitteren Realität wie im übertragenen Sinne.
2:0 führten die Bayern nach Treffern der beiden Neuzugänge Niklas Süle (9.) und Corentin Tolisso (18.) in diesen Momenten, weit vor der Halbzeit, als noch nicht mal 45 Minuten der neuen Spielzeit vorüber waren. Am Ende hieß es nach einem weiteren Tor von Robert Lewandowski (52./Foulelfmeter) und dem Anschluss durch Admir Mehmedi (64.) 3:1. Für die triefnassen Gäste ein Tag zum Vergessen – und für den Rekordmeister: Der erhoffte Auftaktsieg, und zwischenzeitlich ein Auftritt, den man als erstes Zeichen an die Liga deuten kann.
Herrlich und Bayer waren nicht nur willkommene Gäste, weil die Werkself traditionell in München kaum etwas holt (drei Siege aus 39 Partien), sondern auch, weil der neue Coach der einzige der Liga war, der nicht auf die Bayern als Meister getippt hat. Dortmund traut er den Titel zu, hatte er in der vergangenen Woche verlauten lassen. Eine bewusst platzierte Spitze? Seine ehrliche Meinung? Das war den Bayern egal. Man merkte ihnen ab der ersten Sekunde an, dass sie ihn – und alle anderen, die sie in der durchwachsenen Vorbereitung kritisiert hatten – vom Gegenteil überzeugen wollten.
Carlo Ancelotti hatte in den letzten Wochen immer wieder versichert, dass sein Team da sein werde, wenn es drauf ankommt. Für den Start vertraute er einer Elf, in der es nur eine Überraschung gab: Entgegen seiner Aussagen vom Vortag ließ er doch Thomas Müller auf dem rechten Flügel ran. Hinter ihm, Robert Lewandowski und Franck Ribery dirigierten die beiden Neuen Sebastian Rudy und Tolisso gemeinsam mit Arturo Vidal das Bayern-Spiel. Einen ersten Schuss aus der agilen Offensive gab Tolisso ab, und auch bis zum ersten Treffer dauerte es nicht lang. Dass Dominik Kohr Franck Ribery bereits nach neun Minuten foulen musste, sprach Bände. Er sah Gelb, und Rudy brachte den fälligen Freistoß direkt auf den Kopf von Süle – das 1:0 war ein perfekter Einstand der beiden Ex-Hoffenheimer.
Leverkusen hatte defensiv große Probleme, agierte aber auch viel zu passiv. Die Bayern kamen so gut wie immer durch, wenn sie das Tempo anzogen. Oft nach Diagonalbällen auf Rechtsverteidiger Joshua Kimmich, oft nach Kombinationen durch zahlreiche flinke Beine. Das 2:0 fiel dann allerdings wieder nach einem Standard. Bernd Leno klärte eine Ecke direkt vor Vidals Beine, der Chilene bediente Tolisso, der nächste Neuzugang traf zum verdienten 2:0. Sieben Minuten später lenkte der Franzose noch einen Ball an den Pfosten. Auf der Gegenseite verhinderte Neuer-Vertreter Sven Ulreich Anschlusstreffer.
Die zweite Hälfte startete mit einer Viertelstunde Verspätung – und mit einer Bundesliga-Premiere. Der Videoassistent entschied nach Foul von Charles Aranguiz an Lewandowski auf Strafstoß, den der Pole selbst verwandelte (52.). Dass Leverkusen danach mehr zum Zug kam, lag in der Natur der Sache. Ulreich zeichnete sich immer wieder aus, gegen den Spannschuss von Mehmedi hatte er aber keine Chance. Der Anschluss war verdient, weil Bayer mehr riskierte und die Bayern nachlässiger wurden. Erst als Arjen Robben kam, entwickelten sie wieder Spielfreude. Es blieb aber beim 3:1 – und einem Gruß an Herrlich: Bayern ist schon Meister – zumindest im Wasserball.