3 Fragen aN

Moscheen sind die Durchlauferhitzer

von Redaktion

Der Autor und Journalist Bruno Schirra hat sich ausführlich mit dem „Islamischen Staat“ auseinandergesetzt. Wie schätzt er die Lage ein?

Herr Schirra, Attacken mit dem Auto oder einem Messer – was können wir dagegen tun?

Die Sicherheitsorgane müssen in die Strukturen des Islamismus eintauchen. Und die Politik muss sich von dem Irrglauben an den Täter-Typus „einsamer Wolf“ verabschieden. Ausnahmslos jeder dieser angeblichen Einzeltäter hatte in seinem unmittelbaren Umfeld – Familie, Freunde, vor allem die Moschee, in der er verkehrt – eine Einbettung in salafistische Gedankenwelten. Diese Moscheen sind die Durchlauferhitzer der Radikalisierung.

Zeigen die Angriffe mit Axt oder Auto nicht auch, dass IS oder El Kaida zu ganz großen Aktionen mit Sprengstoff oder gar Flugzeugen nicht mehr in der Lage sind?

Doch, das sind sie. Der globale Dschihad lernt aus seinen Niederlagen, formiert sich ständig neu. Es braucht da keine Organisation des Bösen wie in James-Bond-Filmen. Und es reicht auch nicht, deren Köpfe abzuschlagen – es wachsen immer neue nach. Es gibt in Europa real existierende islamistische Sumpflandschaften, die sehr wohl dazu in der Lage sind, verheerende Anschlage wie auf das Bataclon in Paris zu wiederholen.

Ist zu befürchten, dass Deutschland im Bundestagswahlkampf zum Terrorziel wird?

Ja. Ich bewege mich ja in diesen salafistischen Kreisen, und da wird solch ein Anschlag in Deutschland vor der Wahl heftig diskutiert. Zudem wird auf den Propaganda-Plattformen immer wieder gefordert: Ihr müsst Italien, den Vatikan ins Visier nehmen – solch ein Anschlag auf das Herz des Christentums wäre aus Sicht der Dschihadisten ein wahnsinniger Erfolg.

Rückt Europa vermehrt ins Visier des IS, weil die Terror-Miliz in Irak und Syrien vor einer Niederlage steht?

Teilweise ja. Dabei wird aber vergessen, dass der IS bereits 2012 aktiv dazu aufgerufen hat, in Europa Terroranschläge zu verüben – da gab es das Kalifat noch gar nicht. Aber richtig ist, dass der IS im Irak und Syrien in erhebliche Schwierigkeiten geraten ist. Weil alle Europäer – auch die hier lebenden Muslime – durch ihre Steuern den Krieg gegen den IS mit finanzieren, sind alle Menschen hier legitime Terror-Ziele.

Interview: Klaus Rimpel

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