Neue Galaxien

von Redaktion

Bei ihrem Debüt machen alle drei Bayern-Neuzugänge einen guten Eindruck: Der Fremdling wie das Duo von nebenan

VON ANDREAS WERNER

München – Es ist nicht viel bekannt über die Freizeitaktivitäten von Mr. Spock – was macht der Mann gerne außer hochgestochen über Phänomene im Weltall zu philosophieren oder gelegentlich seinem Captain Kirk aus der Patsche zu helfen? Fußball ist auf seinem Heimatplaneten Vulkan jedenfalls schwer vorstellbar, also konnte es sich am Freitagabend da unten auf dem Rasen der Allianz Arena nicht um den Wissenschaftler des Raumschiff Enterprise handeln, der da jubelnd mit Spocks berühmter Geste herumlief. Corentin Tolisso hat sich die komplizierte Fingerübung zum Markenzeichen gemacht – und konnte sie gleich im ersten Spiel zeigen.

Die Münchner sind im Bestreben, sich Jahr für Jahr zu verbessern, erpicht, neue Galaxien zu erschließen. Für Tolisso überwiesen sie den für ihre Dimensionen überirdischen Betrag von 41,5 Millionen Euro an Olympique Lyon, und manche hatten reagiert, als hätte man sich da ein unbekanntes Wesen aus einer fernen Welt geholt, weiß der Teufel, woher – sogar noch weiter entfernt als Vulkan.

In der Vorbereitung fremdelte der 22-Jährige noch ein bisschen, zum Saisonstart gegen Leverkusen fügte er sich aber dann schon gut ein in die neue Welt. Kurz nachdem er sein 2:0 als Spock-Double gefeiert hatte, schoss er noch einmal an den Pfosten. Insgesamt machte das nach dem Adios von Xabi Alonso neu formierte Zentrum schon einen ganz passablen Eindruck.

Das lag nicht nur an Tolisso, sondern auch an einem weiteren Neuzugang. Sebastian Rudy ist so ziemlich der Gegenentwurf zu einem Wesen aus einer anderen Galaxie, doch gerade seiner Sachlichkeit wegen haben sich die Bayern den Hoffenheimer geschnappt. Rudy ist seinen Nebenleuten stets einen Gedanken voraus, das begann beim Ligastart bereits, als sich die beiden Teams vor dem Anpfiff in einer Linie aufstellten. Während Arturo Vidal rechts neben Rudy zappelte wie ein Bub vor der Eisdiele und Niklas Süle zu seiner Linken mit dem Eskortenkind blödelte, stand Rudy Minuten reglos da – und als dann die Nationalhymne ertönte, machte seine Zinnsoldatenhaltung Sinn.

Auf dem Platz freilich ist Rudy beweglicher. Und dass er trotz weniger Tage im Betrieb bereits Herr der ruhenden Bälle ist, sagt auch viel aus. Nach acht Minuten legte er sich einen Freistoß zurecht und trat die Kugel präzise auf Niklas Süle, der mit ihm im Schlepptau aus Hoffenheim gekommen war. So glänzten alle drei Neuzugänge – der Fremdling und das Duo aus der Nachbarschaft. Spock würde sagen: Faszinierend.

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