München – Roman Deisenhofer lief ins Triathlon-Stadion von Roth ein, und plötzlich war da dieser durchdringende Laut, der die Zuschauer irritierte. Tatütata. Feuerwehrsignal. Irgendwo draußen auf der Strecke was passiert?
Entwarnung: Tatütata war ein Gag der Veranstalter des Challenge-Triathlons über die Langdistanz (3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren, 42,195 km Laufen) im mittelfränkischen Roth. Zugleich nämlich war dieser weltweit größte Triathlon auch die WM der Feuerwehrmänner. Und Roman Deisenhofer, gebürtiger Augsburger, wohnhaft in Königsbrunn bei Augsburg, ist einer. Seine Dienststelle: die Wache 6 in München-Pasing. Für die Sonderwertung hatte man sich extra anmelden müssen – „mit Dienstausweis“.
So ist Deisenhofer, 32, nun also Weltmeister seiner Branche, doch auch ganz allgemein ein herausragender Triathlet. Im Juli in Roth erreichte er die beste Zeit seiner Laufbahn: 8 Stunden, 16 Minuten, 29 Sekunden. Platz acht in einem Weltklassefeld. Er hat einige schöne Platzierungen eingesammelt. Vierter beim Ironman Zürich, jeweils Achter bei den Ironman-Rennen auf Lanzarote und Mallorca. Und er ist auch Deutscher Meister über die Mitteldistanz (1,9 – 84 – 20), erkämpft vorigen Sommer in Immenstadt beim „Allgäu Classic“. Am Sonntag tritt er zur Verteidigung des Titels an, stellt sich aber darauf ein, dass ihm das nicht gelingen wird, denn: Jan Frodeno kommt, der Hawaii-Sieger (2015, 16), Sportler des Jahres (2015), der Olympiasieger (2008), der Superstar, der Weltbeste. „Das macht aber gar nix, wenn der Jan gewinnt“, sagt Deisenhofer.
Er ist Profi, aber eben kein Vollprofi. Roman Deisenhofer hat sich für die Zweigleisigkeit entschieden. Auf der einen Seite ist der Sport, den er relativ spät entdeckt hat. Er war Leichathlet, startete bei Volksläufen in der Umgebung oder beim Lauf auf den Augsburger Perlachturm. Der erste Triathlon: 2011. 2. Liga, Bundesliga (ja, auch der Triathlon hat ein Ligensystem). Schließlich die größeren Wettkämpfe, die internationalen. Er bekam einen Vertrag bei einem Team, bei „Skinfit Racing“, er sagt: „Man kann vom Triathlon leben. Wir können Prämien gewinnen, wir haben Sponsoren.“ Verglichen mit der Leichtathletik sind die Möglichkeiten gut. Klar: „So, dass man ausgesorgt hätte nach der Karriere, ist es nicht.“ Da müsse man schon zur Kategorie Jan Frodeno/Sebastian Kienle gehören, die zu Marken wurden und gefragt sein werden als Experten oder Trainer, wenn sie einmal nicht mehr selber auf die Strecke gehen.
Deisenhofer lebt das coole Leben eines Triathleten – aber eben mit Absicherung. Bei der Feuerwehr hat er Beamtenstatus. Doch er will das deutlich klarstellen: Er arbeitet da richtig. Auf einer 75-Prozent-Stelle. Die Praxis sieht so aus: Er hat im Monat sieben Bereitschaftsdienste zu je 24 Stunden. Und er wird nicht geschont. Wenn’s brennt, muss er löschen. Und er ist Rettungstaucher. Von Mittwoch auf Donnerstag dieser Woche, kurz vor dem Wettkampf also, hatte Roman Deisenhofer wieder eine Schicht – mit einem Einsatz in der Isar. Und er hat auch Wochenenddienste.
Vorteil der Konstellation: die Sicherheit. „Dafür muss ich halt Kompromisse eingehen“, sagt er: Er kann dann nicht so oft oder so lange in ein Trainingslager fahren wie andere. Doch es ist gut, wie es ist: „Ich kann noch besser werden, ich habe noch ein paar gute Jahre vor mir.“ Im Laufen sieht er noch Steigerungspotenzial, auf dem Rad ist er klasse („In Zürich bin ich Timo Bracht weggefahren“), im Schwimmen läuft es oft so gut, „dass ich mit der ersten Gruppe aus dem Wasser steige“.
Auf Hawaii ist Deisenhofer noch nicht gestartet. Für Profis ist es schwer, es gibt nur 50 Plätze, und die Top Ten des Vorjahres bekommen so viele Punkte, dass sie sehr gute Chancen haben, im Jahr darauf wieder dabei zu sein. Punkte verdienen kann man auch nur bei Veranstaltungen des Anbieters Ironman, die Teilnahme an der Konkurrenzserie Challenge bringt nichts. Vier Rennen (maximal drei über die Langdistanz) kann man sich anrechnen lassen, Deisenhofer kalkuliert: „Man braucht schon zwei Podiumsplätze.“
Was er nach Immenstadt noch vorhat dieses Jahr: Vorarlberg, Rügen, Mallorca, Malaysia, das wird am 11. November der Abschluss sein. Der einer guten Saison, in der er schnell war wie die Feuerwehr. Weil er die Feuerwehr ist. Tatütata.