19 – Dass Nils Petersen das entscheidende Tor im Vorjahr ausgerechnet an dem Tag gelang, an dem der SC Freiburg mit 1:4 bei seinem ehemaligen Arbeitgeber FC Bayern unterging, passte nicht ins Drehbuch. Und trotzdem: 19 Joker-Tore bei 59 Einwechslungen sind Bundesliga-Rekord – und eine Leistung, die die Stärke der Breisgauer im Vorjahr dokumentierte. Wer sich den Luxus erlauben kann, einen Mann wie Petersen 26 Mal einzuwechseln, muss Qualität im Kader haben, die allerdings – so das Freiburger Schicksal – selten von Dauer ist. Heuer verließen die beiden Leistungsträger Vincenzo Grifo (Gladbach) und Maximilian Philipp (BVB) den Verein – die Prognose: Petersen wird ab sofort weniger Joker-Tore schießen, weil er in der Startelf gebraucht wird.
5 – In einer Saison, in der zwischen Abstieg und internationalem Geschäft elf Zähler liegen, ist eine Nervenschwäche besonders ärgerlich. Denn hätte Bayer Leverkusen in der vergangenen Saison all seine Strafstöße verwandelt, hätte die Werkself zehn Punkte mehr auf dem Konto gehabt und wäre als Fünfter ganz locker für die Europa League qualifiziert gewesen. Fünf vergebene Elfmeter allerdings bedeuteten Rang 12 und ab sofort die erste Saison seit 2009/10, in der Bayer nicht international vertreten ist. Vielleicht hilft die Fokussierung auf das nationale Geschäft der Elf von Heiko Herrlich, auch die Konzentration vor dem Kreidepunkt wieder zu finden. Wäre gut. Ein Elfmeterfluch ist nicht förderlich, wenn man zu alter Stärke zurückfinden will.
25 – Für den 1. FC Köln ist diese Zahl doppelt richtungsweisend. Vor einem Vierteljahrhundert spielten die Rheinländer das letzte Mal im Europapokal, nun feiern sie ihr Comeback nach 25 Jahren. Möglich machten das vor allem 25 spezielle Tore – und hier ist die Kehrseite der Medaille, denn für sie zeichnete Anthony Modeste verantwortlich. Der kickt inzwischen in China, obwohl ihn die Kölner auf der Europa-Tour gut brauchen könnten. Hängt man im Reich der Mitte übrigens eine „0“ an die „25“, hat man ein Schimpfwort: „250“ steht aus unbekannten Gründen für „Idiot“. Bleibt zu hoffen, dass die Kölner am Ende nicht wie die Idioten dastehen, auch ohne ihren 25-Tore-Mann.
4 – 1899 Hoffenheim kann mit Stolz von sich behaupten, den größten Anteil am Confed-Cup-Sieg des DFB-Teams zu haben. In den – nun in München kickenden – Sebastian Rudy und Niklas Süle sowie Kerem Demirbay und Sandro Wagner stellte man gleich vier Spieler der Titel-Elf von Russland. Wer hätte gedacht, dass das Herz des deutschen Fußballs mal im Kraichgau schlägt? Höchstwahrscheinlich diejenigen, die es auch nicht überrascht hat, dass Julian Nagelsmann den Klub im Vorjahr erstmals in der Vereinsgeschichte in den Europapokal geführt hat. Ob nun Champions oder Europa League: Beides wird eine Herausforderung sein. Stichwort: Doppelbelastung. Wer damit zurecht kommt, liefert womöglich WM-Kandidaten.
95,5 – So viele Millionen hat der FC Bayern heuer in seinen erlauchten Meisterkader investiert. Ein überschaubares Sümmchen für fünf Mann, denn Sebastian Rudy sowie die Jungspunde Felix Götze, Marco Friedl und Christian Früchtl kamen ja zudem zum Nulltarif. In Relation zu den viel zitierten 222 Millionen Euro für Neymar hätten die Bayern 5,4 Corentin Tolissos, 10,57 Kingsley Comans, 11,1 Niklas Süles und 27,75 Serge Gnabrys einkaufen sowie 44,4 James Rodriguezes für eine Saison von Real Madrid ausleihen müssen, um auf ein Äquivalent zu kommen. Aber das sind nur ein paar weitere Zahlen, die den Kaufpreis des Brasilianers aufs Neue ad absurdum führen. Ein Team aus 11 Süles hätte zwar Gewicht, wäre aber kaum wendig. Und 10,57 Ausgaben von Coman würden die Münchner Ärzte überfordern – bereits die Originalversion des Franzosen ist verletzungsanfällig genug.
12 – Krise, bevor es richtig losgeht, das ist beim Hamburger SV inzwischen eher Regel als Ausnahme. Und in diesem Jahr gab es zum Start auch gleich noch einen Negativrekord. Die Pleite im DFB-Pokal in Osnabrück war gleichbedeutend mit dem zwölften Erstrunden-Aus der Vereinsgeschichte als Bundesligist. Dass Trainer Markus Gisdol ankündigte, „die richtigen Schlüsse zu ziehen“, stimmt nur wenig optimistisch. Das haben in den letzten Jahren auch die Herren Mirko Slomka, Joe Zinnbauer, Peter Knäbel und Bruno Labbadia gesagt – das Ergebnis: Die Plätze 14, 10, 16 und 16.
124– Um Zahlen bzw. Summen dieser Dimension ging es für Pierre-Emerick Aubameyang eigentlich den gesamten Sommer. Ein Wechseltheater mit dem – vorläufigen – Ergebnis: Der Gabuner bleibt erst mal bei Borussia Dortmund. Dort startete der Bundesliga-Torschützenkönig der vergangenen Spielzeit die neue Saison im DFB-Pokal standesgemäß mit einem Dreierpack, seinen Pflichtspieltreffern Nummer 122, 123 und 124 für den BVB. Damit löste er nicht nur Stéphane Chapuisat (123) als besten ausländischen Torschützen der Vereinsgeschichte ab, sondern brachte sich auch seinem persönlichen Saisonziel näher: „Ich will Michael Zorc einholen.“ Das heißt: Mindestens 34 Treffer müssen noch gelingen, um die 158 des Sportdirektors zu knacken. Das Wettschießen mit Bayerns Robert Lewandowski ist offiziell eröffnet. Und auch der eigene Marktwert leidet ja unter ein paar Treffern nicht – im Gegenteil.
4000 – Leere Sitzschalen gehörten beim FSV Mainz 05 in der vergangenen Saison zum tristen Alltag. Im Schnitt kamen 4000 Zuschauer weniger zu den Heimspielen als noch vor fünf Jahren – eine traurige Entwicklung, die nun der neue Trainer Sandro Schwarz stoppen soll. Der 38-Jährige gilt als fachlich top, wird aber auch als Identifikationsfigur eingesetzt. Geboren in Mainz, seit der Jugend im Verein, 2004 Teil der ersten Aufstiegsmannschaft des FSV, später als Nachwuchstrainer erfolgreich – und nun eben Chef. Es gab in Mainz schon mal einen, bei dem das so oder so ähnlich geklappt hat. Er trägt den Namen Jürgen Klopp und spielte meist vor voller Hütte.
10 – Als bei Hannover 96 im Frühjahr der direkte Wiederaufstieg in Gefahr war (Platz vier nach 25 Zweitliga-Spieltagen), zogen die Verantwortlichen die obligatorische Notbremse und installierten in Andre Breitenreiter einen neuen Trainer. Ein Glücksgriff, denn seitdem gab es keine Niederlage mehr. Zehn Spiele – sieben Siege und drei Unentschieden – umfasst die Serie inzwischen. Man kommt mit viel Schwung zurück ins Oberhaus, sollte sich aber nicht blenden lassen. Dass eine gute Frühform nicht ausreicht, weiß Breitenreiter aus eigener Erfahrung. 2014/15 führte er mit Aufsteiger Paderborn nach vier Spieltagen die Tabelle an – und stieg am Ende als Tabellenletzter ab.
3 – Schwaben sind geizig? Von wegen! 41,5 Millionen Euro investiert der Daimler-Konzern in den VfB Stuttgart, der durch die Finanzspritze natürlich mit viel Rückenwind in die Erste Liga zurückkehrt. Das schwerste Jahr der jüngsten Vereinsgeschichte – zuvor hatte man seit 1977 nicht mehr im Unterhaus gekickt – war mit dem Wiederaufstieg sofort vergessen, die Verantwortlichen denken längst in größeren Dimensionen. Das bescheidene Ziel von Präsident Wolfgang Dietrich: In Kürze zu den Top-3-Vereinen des Landes zu gehören. Vorbild ist niemand Geringeres als Borussia Dortmund. Und trotzdem ist man „mit viel Demut bei der Sache“. Nun ja . . .
71 – Ob Mario Gomez ab und zu nachts aufwacht, weil er vom Münchner Gärtnerplatz geträumt hat, der Wiesn oder wenigstens der Auer Duld? Er war in München, Florenz, Istanbul – da kann das graue Wolfsburg den Schlaf rauben. Sein Zeitvertreib: Tore. Die sind in Wolfsburg so begehrt wie in München Wiesntische. Seitdem Andries Jonker Coach ist, traf der VfL nur 14 Mal in zwölf Spielen, Gomez hatte mit zehn Erfolgserlebnissen 71 Prozent Anteil. Zum Lohn wurde er nun Kapitän. Die Wolfsburger hoffen auf seine Tore, und er wird sich anstrengen – er will zur WM. Und für ein paar Wochen zwischen Moskau, St. Petersburg und Sotschi, da gibt ein Wolfsburger mehr als 100 Prozent.
17 – Eintracht Frankfurt setzt wie in der Vorsaison auf Multikulti. Im Schmelztiegel der Hessen finden sich Spieler aus 17 verschiedenen Nationen. An dieser Quote hat sich nichts geändert, der Turm von Babylon steht also in der Neuzeit weiter am Main, irgendwo zwischen den Wolkenkratzern der Bankenmetropole. Letztes Jahr verzeichnete man eine famose Hin- und eine katastrophale Rückrunde. Zerrissen. Der Coup kurz vor Saisonstart ist nun die Verpflichtung von Kevin-Prince Boateng. Halb Deutscher, halb Ghanaer, mit einer wechselvollen Vita. Passt gut als neuer Untermieter im Wolkenkratzer der launischen Eintracht.
109 – Alle 109 Minuten ein Tor, das wäre eigentlich eine passable Quote. Das Problem: Davie Selke kam in Leipzig in 21 Einsätzen nur als Joker zum Zug; und so relativiert sich alles. Vier Tore in der Endabrechung sind zu wenig für einen Stürmer, dem die Zukunft gehören soll. Deshalb wurde er nun an Hertha BSC weitergereicht. In Berlin verletzte er sich prompt, ein Knochenmarködem, Trainer Pal Dardai rechnet erst im Oktober mit ihm: „Unsere Torgefahr ist leider in der Reha.“ Typisch Selke – er kommt irgendwie nirgends vom Fleck.
0 – Die Menschen in der Hansestadt Bremen verstehen sich seit jeher auf den Handel. Fisch-, Fleisch-, Molkereiprodukte, Tee, Reis, Tabak, Wein, Zitrusfrüchte – wo ein Hafen ist, wird alles Mögliche umgesetzt. Die Bremer Baumwollbörse genießt Weltruf. Die Chefs des ortsansässigen Erstligisten SV Werder haben in diesen von Millionen Euro bewegten Tagen das kaufmännische Kunststück der Fußballbranche schlechthin geschafft. Verrechnet man die Zu- und Abgänge, kommt man auf eine glatte Null. 8,7 Millionen auf Soll- und Habenseite. Nicht schlecht. Die große Frage wird sein: Rentiert sich das Nullsummenspiel?
66,7 – Mit 66,7 Prozent gewonnenen Zweikämpfen war Andreas Christensen in der Vorsaison der beste Zweikämpfer der Liga. Gut und gleichermaßen schlecht für Mönchengladbach – denn einen verliehenen Mann mit diesen Werten wollte Chelsea natürlich wieder zurück haben. Um den Dänen irgendwie zu ersetzen, griff die Borussia so tief in die Tasche wie nie: 17 Millionen Euro für Matthias Ginter sind Vereinsrekord. Der Ex-Dortmunder lag in der Vorsaison mit 62 Prozent gewonnenen Zweikämpfen zwar „nur“ auf Platz zehn – kommt als Olympia-Medaillengewinner, Weltmeister, Confed-Cup- und DFB-Pokalsieger aber hochdekoriert. Ein wenig Glanz schadet der ewig titellosen Borussia sicher nicht.
7 – Das verflixte siebte Jahr – die meisten Ehepaare können ein Lied davon singen. Und auch für den FC Augsburg dürfte die siebte Bundesliga-Saison ein besonders schweres werden. Dass es ein Risiko war, Leistungsträger wie den langjährigen Kapitän Paul Verhaegh, Halil Altintop, Dominik Kohr und nun auch noch Raul Bobadilla abzugeben, beweist der Blick auf die Schlussphase der vergangenen Spielzeit. Dort rissen die „Alten“ das Ruder um, retteten den FCA letztlich – einen Punkt von der Relegation entfernt – auf den 13. Platz. Die Verjüngungs-Kur könnte Auswirkungen haben. Manche Ehepaare erleben das achte Ehejahr ja auch nicht mehr.
67 – so viele Punkte hatte RB Leipzig am Ende der letzten Saison, nur ein Aufsteiger war in der Geschichte der Bundesliga besser: Kaiserslautern in der Saison 1997/98 mit 68 Zählern. Die Pfälzer krönten ihren Husarenritt damals sogar mit der Meisterschaft. Unvergessen ist der 1:0-Coup gleich am ersten Spieltag beim FC Bayern, es war die süße Rache von Trainer Otto Rehhagel, den die Bayern im Jahr zuvor vom Hof gejagt hatten. Leipzigs Trainer Ralph Hasenhüttl steht bei Uli Hoeneß und Kollegen weit höher im Kurs als Rehhagel – zumindest, wenn er sich auch heuer wieder damit bescheidet, zwar viele Punkte, aber weniger als der Meister zu sammeln.
1 – Die grobe Rechnung besagt, dass ein Schalke-Coach eine Halbwertszeit von einer Saison hat. Roberto Di Matteo (8 Monate, 2014/15), Andre Breitenreiter (2015/16) und Markus Weinzierl (2016/17) durften nicht in eine zweite Spielzeit gehen. Das jährliche Credo „alles auf Null“ kann für einen Liga-Neuling wie Domenico Tedesco nur hilfreich sein. Der junge Mann hat klare Vorstellungen und sich mit der Degradierung von Kapitän Benedikt Höwedes gleich mal Respekt verschafft. Ab jetzt weht ein neuer Wind . . . wie immer auf Schalke!