Im Hochsommer werden die Wespen lästig

„Auf keinen Fall panisch um sich schlagen“

von Redaktion

Weilheim-Schongau – Es brummt jetzt überall am Kaffeetisch oder im Biergarten: Wo es etwas Süßes oder Herzhaftes gibt, sind auch die Wespen nicht weit weg. Rupert Raßhofer (65) ist ehrenamtlicher Hornissen- und Wespenberater für das Landratsamt Weilheim-Schongau. Er erklärt, wie man am besten mit den Insekten umgeht, wie gefährlich die Stiche wirklich sind und wie man auf ein Wespennest reagiert.

-Herr Raßhofer, stimmt der Eindruck, dass gerade besonders viele Wespen unterwegs sind?

Es gibt ungefähr genauso viele Wespen wie in den vergangenen Jahren. Aber die deutsche Wespe und die gemeine Wespe, das sind die lästigen Arten, sind mindestens zwei Wochen früher dran als sonst. Normalerweise brauchen sie erst im Herbst besonders viel Zucker und gehen deshalb auf die Süßigkeiten los. Dieses Jahr ist das schon jetzt so, habe ich den Eindruck.

-Heißt das, dass die Wespen gerade besonders aggressiv sind?

Eine Wespe ist nie aggressiv, sondern hat nur Hunger und Angst, wenn sie in Bedrängnis gerät, weil sie sich in der Kleidung verfängt oder man mit den Händen nach ihr schlägt. So sollte man auf keinen Fall reagieren.

-Wie dann?

Das Wichtigste ist, Ruhe zu bewahren und nicht in Panik zu geraten. Eine Wespe sticht nicht einfach so, sondern nur, wenn sie sich bedroht fühlt. Zur Vorbeugung hilft es, Getränke im Freien abzudecken und zum Beispiel bei Kindern darauf zu achten, dass der Mund sauber ist.

-Stimmt es, dass sich Wespen mit Wasser vertreiben lassen?

Ja, das hilft. Den feinen Wassernebel aus einer Sprühflasche mögen die Wespen nicht so gerne.

-Haben Sie noch weitere Tipps, um Wespen fernzuhalten?

Es gibt zwar tausend Hausmittelchen, aber ich wüsste keines, das wirklich wirkt. Das Einzige, was man im eigenen Garten machen kann, ist eine Ablenkungsfütterung.

-Wie funktioniert das?

Man stellt weit weg vom Kaffeetisch ein kleines Tischchen auf, wo man zum Beispiel Marmelade anbietet. Die Wespen gewöhnen sich daran und fliegen lieber dorthin. Man muss aber durchgehend füttern, ein einzelnes Mal nutzt nichts.

-Was raten Sie bei einem Nest auf dem Balkon oder der Terrasse?

Um Konflikte zu vermeiden, sollte man einen gewissen Abstand zu dem Nest halten und Erschütterungen vermeiden. Im Zweifelsfalle ist es am besten, sich Hilfe bei einem Experten zu holen.

-Man soll das Nest also nicht selbst entfernen?

Auf keinen Fall. Große Nester können mehrere tausend Tiere haben. Da wird es gefährlich, wenn man das Nest angeht. Außerdem steht die Wespe unter Schutz. Die Hornisse ist sogar streng geschützt.

-Wie geht der Fachmann vor?

Oft ist das Nest schon weniger störend, wenn man den Einflug der Tiere ablenkt, sodass er von einer anderen Richtung kommt. Wenn gar nichts mehr hilft, siedeln wir das Nest um. Manchmal geht auch das nicht und wir müssen es vergiften. Aber das ist wirklich das aller-, aller-, allerletzte Mittel. Das Beste ist natürlich immer, wenn man ein Nest tolerieren kann.

-Ist das nicht gefährlich?

Nein, wenn man immer ruhig bleibt, ist nichts zu befürchten. Wespen sind intelligente Wesen und sogar in der Lage, Menschen zu erkennen. Wenn es zum Beispiel auf einem Balkon ein Wespennest gibt und von den Bewohnern nichts zu befürchten ist, lernen die Tiere das. Dann passiert da auch nichts.

-Und wie ist es bei den Hornissen?

Hornissen sind eine der friedlichsten Wespen überhaupt. Die können Sie sogar mit der Hand füttern. Sie wollen nur nicht, wenn man sich bei einem Nest direkt vor der Einflugöffnung aufhält.

-Was ist dran an dem Mythos, dass sieben Hornissenstiche ein Pferd töten würden?

Das ist Blödsinn. In Untersuchungen wurde festgestellt, dass ein Mensch von 400 Hornissen gestochen werden müsste, um in Lebensgefahr zu geraten. Das Gift der Biene zum Beispiel ist stärker als das Gift der Hornisse. Ein Hornissenstich ist dafür schmerzhafter. Wirklich gefährlich sind für die allermeisten Menschen aber weder Hornissen-, noch Wespen-, noch Bienenstiche, es sei denn, man hat eine Allergie.

-Warum sind diese Insekten denn so wichtig?

Der Mensch ist abhängig von diesen Insekten. Sie sind zum Beispiel sehr wichtig für die Pflanzenbestäubung. Die Hornisse ist ein Jäger und sorgt für ein Gleichgewicht in der Natur, weil sie Fliegen, Mücken oder Blattläuse fängt. Mir liegt viel daran, dass die Tiere geschützt werden. Ich möchte als Berater den Menschen helfen, mit der Wespe zu leben und verhindern, dass sie vergiftet wird.

Interview: Claudia Schuri

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