golf

Chance verpasst

von Redaktion

Marcel Siem scheitert im Finale von Bad Griesbach am Spanier Adrian Otaegui

Bad Griesbach – Das war die Chance, ein neues Kapitel in der deutschen Golfgeschichte zu schreiben: Als dritter Profi nach Bernhard Langer und Martin Kaymer hätte Marcel Siem gestern Nachmittag ein Turner auf heimischem Boden gewinnen können. Weit weg davon war er beim Saltire Energy Matchplay in Bad Griesbach wirklich nicht. Erst im Finale verlor er gegen den Spanier Adrian Otaegui, der dem 37-Jährige durch einen famosen Endspurt die Trophäe wegschnappte.

Matchplay, so heißt im Golf das Duell Mann gegen Mann, Loch für Loch. Oft wird dieses Format wahrlich nicht praktiziert auf den Profi-Touren. Dabei hat es seinen Reiz. Dass es Siem liegt, hatte er im Vorfeld vermutet. Wissen konnte er es nicht, schließlich hat er in fast 18 Jahren als Profi nie in diesem Modus gespielt. Die Premiere lief glänzend. Im Grunde steigerte sich der Rheinländer täglich. Das engste Match lieferte er sich Samstagnachmittag mit dem Engländer Robert Rock. 18 Löcher reichten den beiden nicht, die Entscheidung fiel erst im Stechen auf der ersten Extra-Bahn. „Ich lag den ganzen Tag hinten, musste richtig kämpfen, dass ich schon hart“, versichert Siem. Am Ende aber drehte er die Begegnung zu seinen Gunsten. Im Halbfinale am Sonntagmorgen räumte er dann den Schweden Johan Carlsson sehr souverän aus dem Weg. Fehlte noch ein Erfolg zum großen Ziel.

Ein Sieg ist für einen Profigolfer immer eine schöne Sache. Und in Siems Position, als 124. der Geldrangliste mitten im Kampf um die jährliche Spielberechtigung, wäre er einem Sechser im Lotto gleichgekommen. Schließlich erhält ein Sieger auf der European Tour eine Art Freifahrtschein für zwei Jahre. Da hätte der Familienvater Siem auf einen Schlag ein paar Probleme weniger gehabt. Nur: Da gibt es eben einen Gegner, der Ähnliches im Schilde führt. Otaegui, der alle Tage eine blitzsaubere Vorstellung in Niederbayern gezeigt hatte, war scharf auf seinen ersten Sieg überhaupt in der Eliteklasse. Lange Zeit sah es gut aus für den Deutschen, der besser reinfand ins Finale. Doch auch ein Vorsprung von drei Löchern kann manchmal schnell weg sein. Ab Bahn zehn startete der Spanier seinen Turbo. Er gewann sechs von acht Löchern und freute sich am Ende über den ersten Siegerscheck.

Siem gab bei aller Zerknirschtheit den fairen Verlierer: „Es hat Spaß gemacht, und ich habe am Sonntag echt meine beste Form erreicht.“ Der Trost sind 116 500 Euro Preisgeld. Das reicht zumindest, um nächste Saison einen sicheren Arbeitsplatz zu haben.  cf

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