Interview mit Bundespolizeisprecher Wolfgang Hauner

„Der Freitag war eine absolute Ausnahmesituation“

von Redaktion

Vier Stunden lang mussten in der Gewitternacht 60 Fahrgäste der S2 Richtung Erding im Zug ausharren, nachdem die S-Bahn mit einem umgestürzten Baum kollidiert war. Darunter ältere Herrschaften und ein zweieinhalbjähriger Bub. Bundespolizeisprecher Wolfgang Hauner kann die Verärgerung vieler Betroffener nachvollziehen. Bittet aber um Verständnis – denn in Ausnahmesituationen gehe Sicherheit vor.

-Erst nach Mitternacht konnten die Passagiere die S-Bahn verlassen. Können Sie erklären, warum die Bergung so lange dauerte?

Erst einmal muss man festhalten: Der Freitag war eine absolute Ausnahmesituation. Ob Feuerwehr, Bahn oder Polizei – alle, die im Einsatz waren, standen vor derselben Frage: Wo fängt man an, wo hört man auf?

-Wie geht man vor?

Es gibt in allen Einsatzsituation zunächst eine Chaosphase. Die Notrufe kommen von allen Seiten, da muss man erst einmal innehalten und überlegen: Wo haben wir noch Kräfte, wo muss man als erstes hin?

-Und: Wie kommt man hin? Das Wetter hat ja auch Sie aufgehalten, oder?

Genau! Wenn du mit dem Einsatzfahrzeug während eines Unwetters unterwegs bist, brauchst du doppelt und dreifach so lang wie sonst. Du stehst plötzlich vor einer Straßensperre und denkst dir: Wie geht es jetzt weiter? Ich kann die Verärgerung der Menschen, die am Freitag in der S-Bahn festsaßen, verstehen – doch die Rettungskräfte müssen die Sicherheitsvorkehrungen beachten. In dem Fall beispielsweise erst einmal den Strom abstellen, bevor man mit irgendjemanden in den Gleisbereich geht. Diejenigen, die in der Bahn sitzen und draußen die Einsatzkräfte bei der Arbeit sehen, fragen sich, weshalb sie sie nicht einfach rausholen. Aber so leicht ist es eben nicht. Als Retter mit jemandem nachts über Bahngleise zu laufen ist nicht ganz ohne – da ist man froh, dass alles gut gegangen ist und niemand verletzt wurde.

-Der gesamte Bahnverkehr wurde lahmgelegt. Können Sie sich an einen ähnlichen Fall erinnern?

Nein. Klar wird schon einmal streckenweise ein Bereich eingestellt, aber an eine Einstellung vom kompletten Verkehr kann ich mich nicht erinnern. Das zeigt, wie heftig die Unwetterlage war. Unsere Kollegen haben das auch bemerkt. Sie arbeiten im Schichtdienst von 19 bis 7 Uhr – und sind morgens mit deutlich mehr Kilometern auf dem Buckel heim gefahren.

Das Gespräch führte Katja Kraft.

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