Stephen Bannon ist ein strammer Nationalist, der die Politik Donald Trumps prägte wie kein anderer. Doch seit den gewaltsamen Unruhen in Charlottesville war der Chef-Einflüsterer des Präsidenten nicht mehr zu halten. Zumal er zuletzt auch die Nordkorea-Politik Trumps und die Möglichkeit einer militärischen Lösung in Frage gestellt hatte. Seine Entlassung soll wohl auch als Signal nach außen verstanden werden, dass man sich nun um eine gemäßigtere Politik bemühen will, jenseits von Anti-Muslimgesetzen und Anti-Welthandelsbeschlüssen.
Ob diese Rechnung aufgeht, ist ungewiss. Denn die große Unbekannte heißt weiterhin Donald Trump. Der Abgang von vier führenden Mitarbeitern in fünf Wochen steht für eine Chaos-Stimmung im Weißen Haus, die Tagespolitik des Präsidenten wird durch nächtliche Twitter-Eingebungen bestimmt. Bannon dürfte das noch gefördert haben. Mit seinem Abschied ist auch die Frage verbunden, ob er – falls ihn der Ex-Chef enttäuscht – die rechte Plattform „Breitbart“ dazu nutzen wird, Trumps Kernwählerschaft an Abweichungen von der früheren ideologischen Linie zu erinnern. Bannons öffentliche Abschieds-Bemerkung, die Trump-Präsidentschaft, für die er gekämpft habe, sei vorüber, lässt jedenfalls nichts Gutes erahnen.
Friedemann Diederichs
Sie erreichen den Autor unter
Politik@ovb.net