Krisen werden nicht von jetzt auf gleich beendet. Aber sie können sich in rasendem Tempo verschärfen. Das bisher nur verbale Kräftemessen zwischen den USA und Nordkorea hat das auf ziemlich beunruhigende Weise gezeigt. Umso fahrlässiger ist es, dass die USA und Südkorea heute ihr gemeinsames Militärmanöver auf der koreanischen Halbinsel starten. Nordkoreas Diktator Kim Jong Un wird das als neue Provokation empfinden.
Nicht, dass mit Beginn des Manövers ein Krieg drohen würde, Kim weiß um seine militärische Unterlegenheit und fürchtet die Folgen. Aber es macht die diplomatischen Bemühungen, auf die es jetzt ankäme, ungleich schwerer. Jeder Tag, an dem nicht gesprochen wird, ist ein Tag, an dem Nordkorea an seinen Nuklearsprengköpfen basteln kann. Sie sind das Ziel des Diktators, sein Machtgarant nach innen – und sein Drohwerkzeug nach außen.
Unnötig zu erwähnen, dass auch China und Russland keine Freunde der Militärübung sind. Dabei haben beide großen Einfluss auf Pjöngjang; sie für ein gemeinsames Vorgehen zu gewinnen, hätte absolute Priorität. Stattdessen lassen Trump und Co. lieber 70 000 Soldaten Krieg spielen und torpedieren den Friedensprozess, noch bevor er begonnen hat. Und das alles für ein bisschen Kraftmeierei.
Marcus Mäckler
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