Gehen, wenn es am schönsten ist

von Redaktion

Sven Ulreich zeigt gegen Leverkusen sein bestes Spiel als Bayer – aber es hilft nichts: Nun ruft wieder die Bank

München – Manchmal, so heißt es ja, sagen Taten mehr als 1000 Worte, und wenn man am Freitag den Abgang von Manuel Neuer aus der Allianz Arena analysierte, wurde man da gleich mehrfach bestätigt. Sagen wollte der Nationaltorhüter nichts, er winkte freundlich ab, aber das war nicht schlimm. Denn es reichte ein Blick auf die runden Bewegungen und den flotten Schritt, mit dem er sich dem Ausgang näherte, um zu wissen: Da erfreut sich jemand wieder bester Gesundheit. Am kommenden Wochenende in Bremen wird der 31-Jährige erstmals seit März wieder im Bayern-Tor stehen. Und genau deshalb wollte er die große Bühne nach dem 3:1 gegen Leverkusen auch noch mal demjenigen überlassen, der sie an diesem Abend mehr verdient hatte als jeder andere.

Als Sven Ulreich aus der Kabine kam, zeigte sich ein anderes Bild. Da wollte einer reden – und da war einer richtig gefragt. „Natürlich freut man sich, wenn man Spiele macht und die auch noch erfolgreich bestreitet“, sagte Neuers Ersatzmann, der mit zahlreichen starken Paraden verhindert hatte, dass die Gäste aus Leverkusen die eklatanten Abwehrfehler der Bayern bestraften. Gegen Admir Mehmedi, gegen Kevin Volland, gegen Julian Brandt, Ulreich war zur Stelle, wie schon beim Supercup, wo er zwei Elfmeter pariert hatte. Ob es sein bestes Spiel für die Bayern war? „Das kann ich nicht sagen.“ Außenstehende waren sich einig: Einen Sven Ulreich in dieser Form hat man selten gesehen. Eine passende Pointe für eine Geschichte, die ohnehin viele Kuriositäten aufweist.

Schon als der heute 29-Jährige vor zwei Jahren verpflichtet wurde, gab es für beide Seiten ja wenig Verständnis. Warum holt man einen mittelmäßigen Keeper? Warum setzt sich ein junger Kerl auf die Bank? Zwei Jahre, einige Abwanderungsgedanken und eine lange Neuer-Verletzung später haben sich beide Seiten gefunden – nur: Gerade jetzt, wo es am schönsten ist, muss Ulreich zurück auf die Bank.

„Ich wusste von Anfang an, dass Manuel irgendwann zurückkommt“, kommentierte er sein Schicksal, wohlwissend, dass das erste Spiel der Saison auch sein letztes gewesen sein könnte. Das noch zehn Tage offene Transferfenster aber interessiere ihn nicht, versicherte er, „weil ich weiß, was ich beim FC Bayern habe“. Allein das Training mit Neuer habe ihn „zu einem anderen Torwart gemacht. Ich bin an der Aufgabe gewachsen“, sagte Ulreich.

Dann ging auch er aus der Arena. Runden Schrittes, bei bester Gesundheit. Nur hilft ihm das ab sofort wenig.  hlr

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