München – Ein Sommerabend am Weßlinger See (Kreis Starnberg), der 28-jährige Mann und seine fünfjährige Stieftochter stehen am Freitag gegen 21 Uhr beim Kiosk am Wasser, als das Unwetter losbricht. Der Mann wartet das Schlimmste ab und macht sich mit dem Mädchen erst auf den Heimweg, als der Sturm abgeflaut ist. In der Nähe des Pfarrstadls ereignet sich dann das Unglück: Ein 20 Meter hoher Baum stürzt um und begräbt sie unter sich.
Das bemerken trotz des starken Regens Anwohner und Passanten: Sie kommen den Verletzten zu Hilfe, bevor First Responder,des Rettungsdienstes und der Feuerwehr an der Unfallstelle eintrafen. Das Mädchen erleidet Blessuren am Bein, der 28-Jährige wird mit schweren Kopfverletzungen in ein Krankenhaus gebracht. „Mit dem Krankenwagen – ein Hubschraubereinsatz war wegen des schlechten Wetters unmöglich“, sagt der Weßlinger Kommandant Michael Schütz. Der Ort war gestern wie ausgestorben. Ein junger Weßlinger kommt an der Unglücksstelle vorbei. In der Kirche wurde am Morgen für die Verletzten gebetet. Der Zustand des 28-Jährigen sei stabil, heißt es in der letzten Information vom Freitag.
An vielen Orten Bayerns kommt es in der Unwetternacht zu weiteren weiteren Verletzten und massiven Schäden. Ein Überblick.
-Bahnverkehr
20 Minuten lang hieß es am Freitag: Nichts geht mehr. Der Bahnverkehr in Ost- und Südbayern wurde von 21.50 bis 22.10 Uhr komplett stillgelegt. Aus Sicherheitsgründen. Am ganzen Wochenende gab es massive Einschränkungen im Regional- und S-Bahnverkehr. Mehrere Züge wurden durch auf Gleise gestürzte Bäume ausgebremst. So die S7 nach Wolfratshausen, in der 150 Gäste Stunden ausharrten, ehe Retter kamen, um den Zug zu evakuieren. So ging es auch 60 Gästen der S2 (s. Interview). Gestern wurden alle Strecken wieder freigegeben.
-Festivals & Zeltlager
Beim Chiemsee Summer-Festival in Übersee (Kreis Traunstein) herrschte Panik: 60 Musikfans mussten medizinisch versorgt werden, viele davon waren von den heftigen Unwettern verängstigt und nahmen psychologische Betreuung in Anspruch. Der letzte Festivaltag wurde abgesagt, der Sturm hatte eine Spur der Verwüstung hinterlassen. 20 junge Menschen mussten ins Krankenhaus gebracht werden. Sogar das für Starkwinde ausgelegte Hauptzelt auf dem Chiemsee Summer sei beschädigt worden. An einem Riesenrad wurden Gondeln vorsorglich abmontiert. Per Lautsprecherdurchsagen waren die etwa 20 000 Besucher am Abend vom Krisenstab des Festivals vor der herannahenden Gewitterfront gewarnt worden. Sie wurden aufgefordert, beispielsweise in Autos Schutz zu suchen. Das Echelon in Bad Aibling wurde bis Samstagmittag unterbrochen. Zehn Menschen wurden verletzt. In Dachau wurde der Volksfestplatz komplett geräumt. Um 21.45 Uhr mussten alle Schausteller dicht machen. Auch hier galt: Sicherheit geht vor (s. Interview).
-Stromausfälle
Etwa 40 Stromausfälle verursachte das Unwetter. Das heißt: Über 40 000 Haushalte mussten zeitweise ohne Strom auskommen. Besonders betroffen waren Waldkraiburg (Kreis Mühldorf) und der Raum Passau.
-Landkreis Passau
Katastrophenalarm im Kreis Passau. Von einer „Veränderung des Landschaftsbildes“ sprach Landrat Meyer (CSU). Das Betreten von Waldstücken sei auf Wochen lebensgefährlich. Orte waren von der Zufahrt abgeschnitten.
-Landkreis Starnberg
Glück im Unglück für mehrere Autofahrer im Kreis Starnberg: Umstürzende Bäume trafen nicht die Fahrzeuge, sondern kesselten sie ein. Die Feuerwehr Feldafing befreite die Insassen und beherbergte sie, bis private Unterkünfte organisiert waren. Wer einen Ausflug auf die Roseninsel im Starnberger See plant, muss bis morgen warten. Insel und Park Feldafing bleiben bis heute Abend wegen entwurzelter Bäume gesperrt.
-Landkreis München
Eine stürmische Nacht bescherte das Unwetter einer Pfadfindergruppe aus Hamburg, die zwischen Isar und Isarkanal ein Zeltlager errichtet hatte. Kurz nach 22 Uhr musste das Lager , geräumt werden. Als die Feuerwehr anrückte, saßen die 44 Kinder und Jugendlichen mitsamt Betreuern schon zum Aufwärmen in der Stube der Försterfamilie Kern in Epolding.
– Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen
Das Befahren der Isar im Landkreis ist bis auf Weiteres verboten. Die Bundesstraße B13 war stundenlang durch umgestürzte Bäume blockiert.
-Ebersberg/Fürstenfeldbruck/Traunstein
„Wenn Schutzengel Überstunden machen“ – so kann man die folgenden Meldungen überschreiben. Auf das Auto einer 20-Jährigen aus dem Kreis Traunstein stürzte eine Tanne – die Frau blieb unverletzt. Genauso erging es einer Autofahrerin (59) aus dem Kreis Ebersberg – der Baum verfehlte sie. Auch ein 34-jähriger Autofahrer, der sich in Adelshofen in den Sturm wagte, hatte Glück – ein Baum stürzte neben seinen Volvo, der Mann blieb unverletzt.
-Regensburg
Gefährliches Aquaplaning: Zu acht Unfällen kam es auf den Straßen in der Oberpfalz. Zwei Menschen wurden schwer, zwei leicht verletzt.
-Kreis Weilheim-Schongau
Eine Autofahrerin (78) kollidierte mit einem auf der Straße liegenden Baum und wurde leicht verletzt; auf der Strecke von Huglfing nach Uffing fuhr ein Zug auf einen Baum auf. Der Fahrer verletzte sich durch die gesplitterte Scheibe.