Ingrid Klimke krönt ihre Karriere

von Redaktion

Vielseitigkeitsreiterin (49) holt bei der EM Einzel-Gold – Mannschaft nur Zweiter – Pferd nach Fesselbruch eingeschläfert

Von Nikolaj STOBBE

Strzegom – Endlich blieben die Stangen liegen, endlich wurde der große Traum wahr: Ingrid Klimke hat bei der Vielseitigkeits-Europameisterschaft in Strzegom/Polen ihren ersten großen Einzeltitel gefeiert. Die deutsche Equipe verpasste erstmals seit 2011 Gold und musste sich hinter den Briten mit Silber begnügen.

Schon mehrfach hatte die Tochter von Dressur-Legende Reiner Klimke bei großen Events nach zwei Disziplinen in Front gelegen, doch oft folgten im abschließenden Springen böse Überraschungen. In Strzegom nicht. Klimke blieb mit ihrem Wallach Hale Bob im Parcours fehlerfrei und feierte mit 30,30 Punkten den größten Erfolg ihrer langen Karriere.

Dieses Mal hielt die 49-Jährige auch Dauer-Champion und Serien-Europameister Michael Jung auf Distanz. Der dreimalige Olympiasieger, der in Niederschlesien seinen vierten EM-Titel in Folge angestrebt hatte, blieb ebenfalls ohne Fehler (32,80), konnte den Rückstand aus der Dressur allerdings nicht mehr wettmachen. Dritte wurde die Britin Nicola Wilson (35,50) mit Bulana.

Klimke kam am Ende aus dem Strahlen nicht mehr heraus. Sie ist zweimalige Olympiasiegerin, wurde Welt- und Europameisterin, doch alle Titel gewann sie mit der Mannschaft. Nun stand sie zum ersten Mal als Einzelkämpferin ganz oben auf dem Treppchen. „Ich freue mich riesig, bin überglücklich, vor allem, weil mein Pferd hier so gut gegangen ist“, sagt sie.

Etwas enttäuschend war am Ende das Ergebnis der Mannschaft. Erstmals seit vielen Jahren gab es bei kein Gold. Pikant: Trainer des neuen Europameisters Großbritannien ist seit diesem Jahr Chris Bartle, der zuvor 16 Jahre mit Hans Melzer das deutsche Team betreut hatte. „Alles, was ich vom Geländereiten weiß, habe ich von Chris“, sagte Klimke, die sich auch in Strzegom Tipps vom Ex-Trainer holte.

Hinter Ingrid Klimke und Michael Jung fiel Julia Krajewski ein wenig ab. Die Warendorferin erlaubte sich mit Samourai du Thot im Gelände einen teuren Fehler sowie eine Zeitüberschreitung und kam nach Dressur, Gelände und Springen mit dem elf Jahre alten Wallach nur auf Rang 18.

Noch größeres Pech hatte Bettina Hoy. Die 54-Jährige hatte nach der Dressur noch klar in Führung gelegen, doch ein Sturz mit Seigneuer Medicott im Gelände brachte das Aus. Zum Glück blieben Ross und Reiterin unverletzt. Ein Eisen am Huf ihres Pferdes hatte sich gelöst, auf der nassen Piste fehlte die Griffigkeit.

Einen ganz düsteren Tag erlebte der polnische Einzelreiter Michal Kap. Nach einem schweren Sturz im Gelände an Hindernis Nummer 16 musste sein elf Jahre alter Wallach Bob The Builder eingeschläfert werden. Das Tier hatte sich einen komplizierten Bruch des rechten Vorderbeines zugezogen.

Der Sturz des Pferdes soll durch eine Stressfraktur entstanden sein. „Das Fesselgelenk ist schon vor dem Sprung gebrochen“, sagte der Chef-Veterinär der EM, Frederic Barrelet. Er war sich nach Ansicht von Videoaufnahmen sicher: „Das hatte mit dem Sprung selber nichts zu tun.“

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