München – Die Bühne an diesem Samstagabend hätte nicht passender sein können. Unter dem Dach des Münchner Olympiastadions fanden sich die weltbesten Boulderer zum Weltcupfinale ein. Obendrein wurde im Halbfinale die EM ausgeklettert. 2020 ist Klettern erstmals olympisch, Bouldern dann eine Disziplin des neuen „combined“ Dreikampfes bestehend aus Lead, Speed und eben Bouldern, in dem in Tokio um Gold gekämpft wird.
Die Boulder-Elite konnte im Olympiapark also schon mal für den Ernstfall in drei Jahren proben. Mit Abstand am besten „übte“ Jan Hojer (DAV Frankfurt/Main). Als bester Europäer des Halbfinals sicherte er sich den EM-Titel im Bouldern. Auch in der „combined“ Wertung gewann der Frechener die Europameisterschaft. Im Halbfinale also schon zwei Mal Gold für Deutschland. Zusätzlich durften die jetzt schon begeisterten 5000 Zuschauer Boulder-EM-Silber von Alexander Megos (DAV Erlangen) bejubeln.
„Bei regionalen Wettkämpfen blendet man das Publikum schon mal aus, aber hier kriegt man alles voll mit“, sagte Hojer nach dem Wettkampf. Die Fans hatte der 25-Jährige spätestens nach dem ersten von vier Bouldern des Finals im Griff. Knappe zwei Sekunden vor Ablauf des Zeitlimits erreichte er den obersten Haltegriff – das Olympiastadion bebte.
Angetrieben vom Publikum meisterte Hojer als einziger alle vier Boulder und holte sich mit dem Weltcup seine dritte Goldmedaille des Tages. „Vor drei Jahren bei der WM hatte ich schon mal die ersten drei Boulder – diesmal habe ich auch den Vierten gepackt“, freute sich der strahlende Sieger im Anschluss. Bei den Damen setzte sich Janja Garnbret (Slowenien) die Krone auf. „Hier geht in München geht es einfach ab, das ist komplett verrückt“, staunte die erst 18-Jährige im Anschluss.
Den Gesamtweltcup sicherten sich Shauna Coxsey (Großbritannien) und Jongwon Chon (Südkorea). Wie alle Athleten wurden sie lautstark unterstützt. Auf eine große Bühne dürfen die Kletterer auch 2020 in Tokio hoffen, denn Japan ist eine Boulder-Nation. Bis dahin kommt der Kletter-Zirkus aber noch zweimal an seinen Lieblingsort – dem Olympiastadion in München. nico horn