Bagan – Es ist wieder sehr heiß dieser Tage in Bagan, der alten Königsstadt in Myanmar mit ihren mehr als 2000 buddhistischen Tempeln. Die meisten Touristen kommen erst wieder am Abend. Dann lassen sich auch die spektakulären Fotos machen, wie die Sonne am Ufer des Irrawaddy hinter den Pagoden versinkt.
So war das auch vor einem Jahr – zum Glück. Denn sonst hätte es wohl Tote gegeben, als die größte Touristenattraktion des südostasiatischen Landes am Nachmittag von einem Erdbeben der Stärke 6,8 erschüttert wurde. In Bagan wurden fast 400 Pagoden beschädigt. Bei vielen Ziegelbauten brach die Spitze ab wie Zuckerwerk.
Bis vor ein paar Jahren gehörte das ehemalige Birma mit seiner Militärdiktatur zu den abgeschottetsten Ländern der Welt. Jetzt versucht die neue Regierung unter Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi, die größten Bausünden der Militärs wieder wettzumachen. Vor allem in den 1990er Jahren wurde, unter großem Einsatz von Beton, viel verschlimmbessert. Auf Reste der Sakralgebäude, deren Ursprünge bis ins 11. Jahrhundert zurückreichen, wurde einfach eine neue Pagode gesetzt – für jeden Archäologen ein Albtraum. Gängiger Spott unter Archäologen war damals: „Die Generäle richten mehr Schaden an als all die Erdbeben über Jahrhunderte hinweg.“ Mangels jeder Aussicht auf Erfolg zogen die Militärs eine schon eingereichte Bewerbung für Bagan um den prestigeträchtigen Titel als Unesco-Weltkulturerbe zurück.
Heute sind auf dem Gelände ausländische Experten aus den verschiedensten Ländern zugange: aus China, Indien, Japan und bald auch aus Deutschland. Im September beginnt ein Ausbildungsprojekt für Stein-Restauratoren, das vom Auswärtigen Amt gefördert wird. Anfang nächsten Jahres reist der Restaurierungs-Experte Hans Leisen von der Technischen Universität Köln nach Bagan. Der Professor hat mit der Arbeit in anderen archäologischen Vorzeigestätten Südostasiens wie Angkor Wat (Kambodscha) oder Ayutthaya (Thailand) international einen Namen als „Tempeldoktor“ gemacht. Er hat sich vorgenommen, den Nanpaya-Tempel zu restaurieren, einen Hindubau aus Bagans Frühzeit.
An 35 Pagoden ist die Reparatur bereits abgeschlossen. Bei anderen wird es noch dauern: Für die großen Pagoden gibt es sogar einen Vier-Jahres-Plan. Auch wird nun die Bewerbung um den Unesco-Titel wieder vorangetrieben. Die neue Regierung ordnete an, dass die Reparaturarbeiten in Abstimmung mit der UN-Organisation betrieben werden. Auf den Titel hofft man in Myanmar dann 2019 oder 2020. Christoph Sator