Beckers Rückkehr ins deutsche Tennis

Doppel mit Perspektive

von Redaktion

Heute um Zwölf beginnt in Frankfurt eine Pressekonferenz, an der auch Boris Becker teilnehmen wird. Aber natürlich ist die dazu gehörende Nachricht – Beckers Beförderung zum „Head of Men’s Tennis“ – längst auf dem Markt. Wer wie der Deutsche Tennis Bund geschlagene zwei Tage vorher einen Termin mit Becker ankündigt und explizit „spannende Neuigkeiten“ verheißt, der kalkuliert das Durchsickern bewusst ein.

Ein spannender Charakter war Becker immer schon, nicht nur zu Profizeiten, als sein Leben besser sortiert wirkte als nach dem letzten Matchball. Vieles ist ihm seitdem entglitten: Beziehungen, Geld, eine Zeit lang auch sein öffentliches Ansehen. Dass er sich Respekt und Bewunderung erneut verdient hat, hängt mit der Rückkehr ins Kerngeschäft zusammen.

In den drei Jahren unter seiner Anleitung hat Novak Djokovic sechs Grand Slam-Titel und über 50 Millionen Dollar gewonnen. Es ist offensichtlich, dass Becker selbst die Besten noch etwas besser machen kann, weil er Erfahrungen gemacht hat wie nur wenige und diese plastisch vermitteln kann. Von diesem Schatz sollen nun auch deutsche Talente profitieren.

Ganze Generationen von Spielern haben in diesem Land unter dem Erbe Beckers und der Last der öffentlichen Erwartungshaltung geächzt. Mit Alexander Zverev scheint zum ersten Mal wieder einer das Potenzial zu besitzen, in höchste Sphären vorzustoßen. Wie der junge Becker unterscheidet er strikt, was nützlich ist und was nur ablenkt. Beckers Turbulenzen werden ihn deshalb nicht beschäftigen. Wichtig sind allein die sportliche Vergangenheit des Altmeisters und seine Verdienste um Djokovic.

Die Kombination aus großer Vergangenheit und verheißungsvoller Zukunft dürfte spannend werden – auch wenn sie auf den Davis Cup beschränkt ist. „Head of Men’s Tennis“ klingt imposant, bedeutet aber auf Profilevel beschränkte Möglichkeiten. Die längste Zeit des Jahres sind Tennisspieler Unternehmer in eigener Sache, nur in den Davis Cup-Wochen stellen sie sich in den Dienst einer Gruppe. Becker kann das akzeptieren, er war selber nicht anders. Sein neuer Job wird ihm viel Anerkennung in der Heimat verschaffen. Die war ihm immer wichtig. Reichtum darf er dagegen nicht erwarten. Die fetten Jahre im deutschen Tennis sind lange vorbei.

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