Hoffenheim redet sich stark

von Redaktion

Trotz der Hinspiel-Niederlage und der eindrucksvollen Geschichte des Gegners reist die TSG optimistisch nach Liverpool

von sebastian stiekel

Liverpool – Über den Mythos Anfield Road heißt es: Beim FC Liverpool schießt manchmal sogar das Stadion die Tore, so viel Lärm und Energie erzeugen die Fans des Vereins von Jürgen Klopp. Noch nie hat ein deutscher Verein in Anfield gewonnen. Heute Abend (20.45 Uhr/ZDF und Sky) muss ausgerechnet der Europacup-Debütant TSG Hoffenheim das schaffen, was selbst so großen Namen wie FC Bayern oder Borussia Dortmund über Jahrzehnte misslang. Nach dem 1:2 vor einer Woche braucht der Bundesligist im Playoff-Rückspiel beim 18-maligen englischen Meister einen Sieg, um sich doch noch für die Champions League zu qualifizieren. „Es ist ein super Zeitpunkt, um Geschichte zu schreiben“, sagte Kerem Demirbay.

Aus der Sicht der TSG muss dieser ruhmreiche Gegner besonders einschüchternd wirken. Als der FC Liverpool 2001 seinen siebten von bislang acht Europapokalen gewann, stieg der Dorfklub mit dem Geld des SAP-Gründers Dietmar Hopp gerade von der Ober- in die Regionalliga auf. Auf der anderen Seite braucht man sich mit historischen Vergleichen nicht groß zu belasten, wenn man zum ersten Mal überhaupt zu einem Europacup-Spiel reist. „Wir sind nicht Liverpool, aber wir können dort mit breiter Brust hinfliegen“, sagte Demirbay der „Bild“. „Wir spielen definitiv den besseren Fußball. Ob das reicht, werden wir am Ende sehen.“

Das ist das Grundgefühl, mit dem die Hoffenheimer gestern in ihre Sondermaschine nach England stiegen: Wir sind noch nicht geschlagen. Wir haben selbst dort noch eine Chance. „Dass wir in der Lage sind, zwei Tore zu schießen, steht außer Frage“, erklärte Abwehrchef Kevin Vogt. „Deshalb werden wir auch in Liverpool alles in die Waagschale werfen. Wir können das schaffen!“

Finanziell gesehen macht es einen Unterschied von rund 15 Millionen Euro, ob ein Verein wie Hoffenheim die Champions League erreicht oder in der Europa League spielt. Start- und Fernsehgelder sind in der Königsklasse deutlich höher als im zweiten europäischen Wettbewerb. Sieht man aber einmal vom Geld ab, hat der Bundesligist in Liverpool nicht viel zu verlieren.

Der Druck lastet allein auf der Mannschaft von Jürgen Klopp. Jeder in England erwartet von dem so ehrgeizigen wie charismatischen deutschen Trainer, dass er den fünfmaligen Titelträger zurück in die Champions League führt – und danach seine vermeintliche Zurückhaltung auf dem Transfermarkt aufgibt. Für alle Mannschaftsteile sucht Liverpool noch eine Verstärkung. Der Kader um den deutschen Nationalspieler Emre Can und den früheren Hoffenheimer Roberto Firmino mag zwar deutlich teurer und auch erfahrener besetzt sein als die TSG, ist aber noch nicht endgültig zusammengestellt.

Hinzu kommt: Liverpools Antwort auf Ousmane Dembélé heißt Philippe Coutinho. Der Brasilianer wird auch beim Rückspiel gegen Hoffenheim wegen seiner Rückenprobleme fehlen. Auch der Brasilianer möchte um jeden Preis zum FC Barcelona wechseln und ist verärgert über seinen Verein, weil die „Reds“ offenbar auch eine 120-Millionen-Offerte aus Spanien für ihn ablehnten. Die Unruhe ist also groß in Liverpool, und auch Klopp betont seit Tagen: „Das Ding ist noch nicht entschieden gegen Hoffenheim. Wir brauchen Anfield im Rückspiel.“

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