Offener Brief

von Redaktion

Passau/Kirchstein – Der 86-jährige Ruhestandspriester Siegfried Fleiner hat sich in Sorge um die Zukunft der katholischen Kirche in einem offenen Brief „an die Bischöfe der deutschen Diözesen“ gewandt. „Bevor ich sterbe, möchte ich Euch Fragen stellen, die mich beschäftigen und bedrängen“, schreibt der Geistliche. Er spüre einen „zunehmenden Groll“ gegen die Bischöfe, weil sie „sehenden Auges unsere Gemeinden und unsere Kirche in eine priesterlose Wüste“ führten.

Hauptgrund für den fehlenden Priesternachwuchs ist Fleiners Ansicht nach der Zölibat, der katholischen Geistlichen das Heiraten verbietet. Das wisse jedes Gemeindemitglied und auch die Bischöfe müssten es wissen. Deshalb verstehe er nicht, warum sich diese nicht zusammentäten und durch ihren Vorsitzenden, „der ein Vertrauter des Papstes ist“, diesen bitten würden, die Zulassungsbestimmungen zum Priesteramt zu ändern. Der Pfarrer erinnert daran, dass Papst Franziskus einmal Bischof Erwin Kräutler in Brasilien gesagt habe, die Bischöfe sollten ihm diesbezüglich einen Vorschlag machen.

„Warum tut Ihr das nicht?“, fragt Fleiner in seinem Brief und gibt selbst die Antwort: „Weil Ihr ein Haufen Feiglinge seid. Ich sage das nicht, um Euch zu beleidigen, sondern weil ich weiß, Ihr Oberhirten seid aus demselben Holz geschnitzt wie wir Unterhirten.“ In seinen vielen Priesterjahren habe er kaum erlebt, dass bei Priester- oder Dekanatskonferenzen brisante Themen angesprochen worden seien. Wenn doch, sei immer tunlichst vermieden worden, dass die Ergebnisse in die Öffentlichkeit gelangten oder an die Kirchenoberen. Fleiner ist Priester des Bistums Augsburg und lebt in Kirchanschöring-Kirchstein (Kreis Traunstein).  kna

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