USA weiten Einsatz aus

Trump will in Afghanistan „angreifen“

von Redaktion

von Friedemann Diederichs

Washington – Montagabend, beste Sendezeit. „Wir werden angreifen“, sagte Donald Trump in seiner 27-Minuten-Rede auf der Militärbasis Fort Myer in Virgina. „Angreifen“ – das bedeutet für den US-Präsidenten auch eine persönliche Kehrtwende. Denn es geht um Afghanistan, und früher wollte Trump stets ein schnelles Ende dieses seit 2001 laufenden Krieges. Doch ganz offen gesteht er nun seinen Sinneswandel ein: Er bevorzuge es zwar, seinen Instinkten zu folgen. Doch er habe Afghanistan zuletzt „in großem Detail“ und „von jedem Winkel“ studiert. Und sei zu dem Schluss gekommen: Die Konsequenzen eines schnellen Abzugs seien sowohl vorhersehbar wie auch inakzeptabel.

Künftig würden Resultate am Boden und nicht ein fester Terminplan die Ereignisse bestimmen, sagt Trump. Ein klarer Seitenhieb in Richtung Barack Obama, der ihm ein schweres Erbe beschert habe. Doch wie sieht die neue Strategie aus, und was haben die Menschen in Afghanistan und der Rest der Welt zu erwarten? Die an Details dünne Rede lässt wenig Schlüsse zu, wie genau denn nun Trump ein „Vakuum für Terroristen“ verhindern will. Dass es zusätzlicher Soldaten bedarf, ist klar. Aber wie viele?

Die „Washington Post“ berichtet gestern unter Bezug auf Quellen auf dem Kapitol, die US-Regierung habe Kongressmitgliedern gegenüber von rund 4000 GI gesprochen – zusätzlich zu den derzeit rund 8500 US-Soldaten in der Region, die vor allem afghanische Kräfte beraten, trainieren und nur im Ausnahmefall gegen Extremisten vorgehen sollen. Das wäre eine fast 50-prozentige Aufstockung, doch konkrete Zahlen will der Präsident auch in Zukunft öffentlich nicht nennen, um den Feinden keine Vorteile zu verschaffen. Denn Gegner sieht Trump am Hindukusch genug: 20 von den USA als Terrororganisationen designierte Gruppen seien schließlich nicht nur in Afghanistan, sondern auch in Pakistan aktiv, das „genau jene Terroristen beherbergt, die wir bekämpfen“. Auch das müsse sich sofort ändern, drohte Trump. Welche Maßnahmen die USA ergreifen wollen, blieb aber unklar. Dass Indien stärker mit wirtschaftlicher Hilfe eingebunden werden soll, wird aber schon als Wink mit dem Zaunpfahl in Richtung Pakistan verstanden. Die beiden Länder sind Erzfeinde.

Eines allerdings ist in Trumps Rede ganz klar geworden: Seine Generäle werden künftig mehr Freiheit an dieser Front haben. Und das bedeutet vermutlich auch eine Überarbeitung der in Washington formulierten Einsatz-Regeln, die US-Soldaten stets als zu strikt und beschränkend empfunden haben. Obama wollte auf diese Weise ganz bewusst die Zivilbevölkerung schonen und den Krieg auch in den Herzen der Menschen gewinnen, doch die Taliban hatte dieses Konzept am Ende nicht erkennbar schwächen können. Nun dürften viele Fesseln wegfallen. „Wir werden kämpfen, um zu gewinnen“, sagt Trump. Zudem sei die Zeit vorbei, in der die USA den Aufbau von Demokratien in entfernten Ländern mit militärischer Macht betrieben.

Vor allem sein Verteidigungsminister James Mattis und sein Sicherheitsberater H. R. McMaster, beides Generäle mit Afghanistan-Erfahrung, sollen Medienberichten zufolge Trump den erwogenen Abzug ausgeredet haben. Hinzu kam offenbar auch sein neuer Stabschef John Kelly, dessen Sohn 2010 beim Einsatz in Afghanistan durch eine Mine getötet worden war.

In der Nato wird nach Donald Trumps Rede zur neuen Afghanistan-Strategie der USA erst einmal aufgeatmet. Mit großer Beunruhigung war im Hauptquartier in Brüssel zuletzt verfolgt worden, wie in Washington die Möglichkeit eines vollständigen Abzugs der US-Truppen und der Einsatz privater Söldner statt regulärer Soldaten diskutiert wurde. Ein solcher Schritt hätte das Aus für den derzeitigen Einsatz der Nato bedeuten können. Zudem gehen Experten davon aus, dass sich die Sicherheitslage in Afghanistan innerhalb kürzester Zeit noch weiter verschlechtert hätte.

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