Donald Trump, der im Wahlkampf noch predigte, die US-Armee müsse sich besser heute als morgen aus Afghanistan zurückziehen, will nun den Kampf gegen Taliban und IS ausweiten. Die Kehrtwende des US-Präsidenten ist ein Erfolg seiner militärischen Berater – und eine krasse Abkehr von der rigorosen America-first-Strategie, für die Trumps Chefstratege Stephen Bannon noch bis Freitag stand. Dessen Rücktritt ist wohl auch in diesem Zusammenhang zu sehen.
Man kann es erst mal beruhigend finden, dass der Mann am Atom-Knopf offenbar doch auf seine Militärberater hört. Für die USA bedeutet es aber, dass der längste Krieg in der Geschichte des Landes weitergeht. Ein schneller Sieg in Afghanistan wird auch Trump nicht gelingen. Die Taliban haben einen „heiligen Krieg bis zum letzten Atemzug“ angekündigt. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass man ihnen glauben darf. Und Trumps Devise – „Wir machen keine Staatenbildung. Wir töten Terroristen“ – dürfte den Rückhalt der US-Truppen in der afghanischen Bevölkerung auch nicht gerade stärken.
Dennoch gibt es gute Argumente für Trumps Sinneswandel. Die Alternative wäre, den Islamisten mit einem raschen Abzug der US-Truppen neue Rückzugsräume zu lassen. Trumps Gedanke, diesen Fehler hätten die USA bereits im Irak begangen, ist nachvollziehbar. Nur sind die Schlüsse, die er daraus zieht, blöderweise das komplette Gegenteil dessen, was er seinen Wählern versprochen hat. Spannend wird, wie er reagiert, sollten rechte Medien – wie Bannons Breitbart-News – ihm das eines Tages mit Nachdruck vorhalten und seine Unterstützung an der Basis bröckeln. Dass er keine Angst vor 180-Grad-Wenden hat, hat Donald Trump ja bewiesen.
Sebastian Horsch
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