Streit um Airberlin

Wöhrl gegen Winkelmann

von Redaktion

Berlin – Die Verhandlungen über die Zukunft der insolventen Fluggesellschaft Airberlin laufen nach Angaben ihres Chefs Thomas Winkelmann „auf Hochtouren“. Die Gespräche liefen derzeit „Tag und Nacht“, sagte Winkelmann dem „Handelsblatt“. Er sei „zuversichtlich, dass wir schon bald erste positive Nachrichten melden können“. Unterdessen bekräftigte der Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl sein Interesse an einer Komplettübernahme von Airberlin – und kritisierte sowohl Winkelmann als auch das Verhalten der Bundesregierung scharf.

Derzeit verhandele Airberlin mit Lufthansa und „mindestens noch zwei weiteren Interessenten“, sagte Winkelmann, ohne Namen zu nennen. Medienberichten zufolge sind neben dem britischen Billigflieger Easyjet auch der Touristikkonzern Tui und die Thomas-Cook-Tochter Condor an Teilen von Airberlin interessiert. Airberlin hatte am Dienstag vergangener Woche Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet. Der Bund gewährte der Airline einen Überbrückungskredit von 150 Millionen Euro.

Ein Angebot des Nürnberger Unternehmers Hans Rudolf Wöhrl liege bislang nicht vor, sagte Winkelmann. „Bislang muss ich das deshalb leider für einen PR-Gag halten, eine Trittbrettfahrerei in einer für viele Mitarbeiter sehr schwierigen Situation“, kritisierte er. Da die Zeit auch mit Blick auf die mehr als 8000 Mitarbeiter dränge, beschäftige sich Airberlin „vorrangig mit den Angeboten, die uns vorliegen und die seriös sind“.

Der Unternehmer Wöhrl wies den Vorwurf der Trittbrettfahrerei zurück und bekräftigte sein Interesse an einer „Gesamtübernahme und Fortführung der Airberlin“. An die Insolvenzverwalter sei eine „entsprechende Absichtserklärung“ gegangen und er habe mittlerweile die Bestätigung erhalten, dass sie angekommen sei, schrieb Wöhrl in einer umfassenden Erklärung.

Die Äußerungen Winkelmanns, den er bisher als „seriösen Manager kennengelernt“ habe, halte er eher für einen emotionalen Gefühlsausbruch, erklärte Wöhrl. Offensichtlich vertrete Winkelmann, der früher bei der Lufthansa war, „nach wie vor die Interessen seines früheren Arbeitgebers“. Sollte Wöhrls Gesellschaft Intro-Verwaltungs GmbH den Zuschlag für Airberlin bekommen, rechne er damit, dass die Fluggesellschaft nach schwierigen Zeiten im Jahr 2019 „gut da stehen“ könnte.

Auch als Anteilseigner wandte sich Wöhrl gegen Winkelmann. Dass dieser Lufthansa-Interessen vertrete, „verstößt gegen Treu und Glauben gegenüber den Anteilseignern der Airberlin, von denen auch Intro mit 500 000 Aktien einer ist“.

Auch die Rolle des Bundes im Fall Airberlin ist für Wöhrl unverständlich: „Um ehrlich zu sein, ich bin entsetzt. Was in den letzten Tagen passierte, ist einer marktwirtschaftlich ausgerichteten Nation unwürdig. Ich kann gar nicht aufzählen, gegen wie viele Regeln verstoßen wurde und vermutlich noch wird“, meinte Wöhrl. „Es drängt sich der Eindruck auf, dass wir in Deutschland auf dem besten Weg zu einer sozialistischen Planwirtschaft sind, in der nur noch Großbetriebe erwünscht sind.“  mm/afp

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