Becker startet seine Herzensangelegenheit

von Redaktion

DTB hat große Hoffnungen in den neuen „Head of Tennis“, der sagt: „Ich liebe diesen Sport, ich liebe dieses Land“

von ulrike weinrich

Frankfurt – Boris Becker humpelte an Krücken und mit ernster Miene in den eichenholzvertäfelten Plenarsaal des Frankfurter Römers. Doch als er vor rund 100 Journalisten und 14 TV-Teams über seine künftige Rolle sprach, verwandelte sich der neue und alte Hoffnungsträgers des Deutschen Tennis Bundes (DTB) schlagartig. Becker war in seinem Element.

„Es ist eine Herzensangelegenheit für mich. Ich liebe diesen Sport, und ich liebe dieses Land. Es freut mich, wieder eine wichtige Aufgabe im deutschen Tennis übernehmen zu dürfen“, sagte Becker, der nach für ihn persönlich schwierigen Wochen Souveränität und Selbstsicherheit ausstrahlte. Sein Vertrag als „Head of Men’s Tennis“ läuft vorerst bis zu den Olympischen Spielen 2020 in Tokio. DTB-Präsident Ulrich Klaus nannte die Verpflichtung der Galionsfigur „einen weiteren Meilenstein“ in der zuletzt so positiven Entwicklung, Verbands-Vize Dirk Hordorff sprach von einer „Ansage an die führenden Tennis-Nationen“.

Dem im dunkelblauen Anzug erschienenen Becker, der auch schon zwischen 1997 und 1999 als Davis-Cup-Teamchef für den Verband arbeitete und im Unfrieden schied, war die Vorfreude auf das eigens für ihn geschaffene Amt deutlich anzumerken. Endlich wieder Tennis, „das ist das“, was er am Besten könne, betonte Becker und blickte in die Zukunft: „Das ist ein neuer DTB, es ist eine runde Sache, das Timing passt. Ich bin stolz auf dieses Amt“, meinte der 49-Jährige, der noch stark unter den Folgen einer Sprunggelenks-OP leidet.

Der dreimalige Wimbledonsieger ist als „Männer-Beauftragter“ unter anderem Davis-Cup-Teamchef Michael Kohlmann vorgesetzt und soll sich auch um Nachwuchsaufgaben kümmern. Hier steht unter anderem die Rückholaktion von Toptalent Nicola Kuhn auf der Prioritätenliste ganz oben. Der 17-Jährige, der bei den French Open im Junioren-Finale stand, hatte 2015 die spanische Staatsbürgerschaft angenommen. „Wir arbeiten daran“, sagte Becker zu der Personalie.

Seinen ersten offiziellen Einsatz hat der neue starke Mann im DTB am Rande der Play-off-Begegnung der deutschen Mannschaft bei Gastgeber Portugal in Lissabon (15. bis 17. September). Dort werde er die Mannschaft „unterstützen“. Becker hofft, dass dann auch Alexander Zverev für den DTB spielen wird, „Sascha hat seine Bereitschaft signalisiert“, verriet er. Becker.

Ohnehin hat er schon viele Gespräche geführt. „Mir haben schon viele deutsche Spieler zum neuen Amt gratuliert“, sagte der sechsmalige Grand-Slam-Sieger. Nach Angaben von Klaus wird Becker, der weiter in London wohnen wird, „ehrenamtlich“ für den Verband arbeiten und nur die Reisekosten erstattet bekommen. Er soll dem Präsidium auch als Berater zu Verfügung stehen. Fragen zu seiner finanziellen Situation waren nicht erlaubt.

Beckers weibliches Pendant im DTB wird Barbara Rittner. Die 44-Jährige gibt nach zwölf Jahren ihr Amt als Fed-Cup-Teamchefin auf und verantwortet als „Head of Women’s Tennis“ den Frauen- und Mädchenbereich. „Ich bin traurig, aber alles hat seine Zeit. Ich bin super neugierig auf die Zusammenarbeit mit Boris“, sagte Rittner, die ihre Spielerinnen um Angelique Kerber schon vor Wochen von ihrer Entscheidung unterrichtet hatte: „Sie haben gefragt, ob ich es mir auch richtig überlegt habe. Das habe ich.“ Präsident Klaus sagte in seiner Euphorie über das neue deutsche Traumpaar „Barbara Rittner/Boris Becker“ sogar „Barbara Becker“ zu der ehemaligen Teamchefin – die herzlich darüber lachte. Wie auch Becker übrigens. Die Miene war längst nicht mehr versteinert.

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