Import-Diesel schmutziger als deutsche

Der falsche Sündenbock

von Redaktion

Keine technologische Entwicklung der Neuzeit hat einen Absturz in solcher Rekordzeit durchlaufen wie der Dieselmotor: Binnen zwei Jahren vom Klima-Engel zum Umwelt-Beelzebub! Seit die US-Behörden 2015 den kriminellen Machenschaften des VW-Konzerns beim Schadstoffausstoß auf die Schliche kamen, stehen deutsche Selbstzünder am Pranger, die Absatzzahlen brechen dramatisch ein. So berechtigt die Wut von Millionen Autobesitzern auf die Betrüger in den Chefetagen der Konzerne ist: Dem Dieselmotor via Fahrverboten jetzt quasi den Garaus zu machen, ist weit über das Ziel hinausgeschossen.

Natürlich haben sich die internationalen Wettbewerber auf dem Automobilmarkt ob der enttarnten deutschen Betrugsmasche zunächst ins Fäustchen gelacht – und die hysterische Debatte bei uns zu ihrem Vorteil genutzt. Doch das war voreilig. Studien belegen, dass die Importeure aus Frankreich, Italien oder Fernost im puncto Stickoxid-Ausstoß noch viel schlechter abschneiden als viele Produkte made in Germany. Fahrzeuge des Renault-Konzerns etwa stoßen laut ADAC-Test fünfmal so viel NOx aus wie Modelle von BMW.

Bis das Elektroauto praxistauglich auch für Millionen Pendler und Vielfahrer wird (und der Strom dafür tatsächlich von Sonne, Wind und Wasser stammt statt aus Kohle) bleibt der Diesel auch klimapolitisch unverzichtbar. Autokonzerne und die Politik stehen in der Verantwortung, den Kampf gegen die dicke Luft in den Ballungsräumen breit gefächerter, intelligenter und effizienter zu führen als bisher. Der Diesel taugt nicht als alleiniger Sündenbock.

Alexander Weber

Sie erreichen den Autor unter

Alexander.Weber@ovb.net

Artikel 1 von 11