Neufinsing – „Der Maier ist ja gemeingefährlich“, schimpfte einst Georg Hack nach einer Kollision mit seinem Rivalen. Ein Ausnahmefall, denn Karl Maier war ein harter, aber fairer Sportler. Doch nicht der langjährige Teamkollege vom AC Landshut war Maiers schärfster Konkurrent auf dem staubigen Oval, sondern Egon Müller aus Kiel. „Es war das ewige Duell Bayer gegen Preiß“, sagt der ehemalige Motorrad-Bahnrennfahrer Maier schmunzelnd. Auch wenn es um keinen Titel ging, „aus Prestigegründen wollte ich immer vor Müller ins Ziel kommen“. Wenn ihn der Playboy aus dem hohen Norden mal wieder geschlagen hatte, herrschte Trauerstimmung im Team. Dabei war Müller für Maier zu Beginn seiner Karriere auch Motivator und Antriebsfeder. Wie man sich als Sportler am besten vermarktet, habe er sich von Müller abgeschaut, erzählt der Neufinsinger. Beide waren immer für einen „lockeren Spruch“ vor oder nach den Rennen gut. „Wir haben uns gegenseitig angestachelt.“ Und der Funke dieses jahrelangen Konkurrenzkampfes ist auch auf die Zuschauer übergesprungen. „Das Stadion hat geknistert“, erinnert sich Maier. 15 000 bis 20 000 Zuschauer seien damals bei großen Meisterschaften keine Seltenheit gewesen.
Das habe auch die Medien aufhorchen lassen. Selbst das Fernsehen hat in den 80er-Jahren ausführlich über die Meisterschaften berichtet. „Immer wieder wurde ich zur Sendung „Blickpunkt Sport“ im Bayerischen Fernsehen eingeladen“, erzählt Maier. Die heutigen Speedway- und Sandbahnfahrer würden zwar ebenfalls guten Motorsport bieten, doch sie begnügen sich mit „Auftritten in den sozialen Medien wie Facebook oder Twitter“, kritisiert Maier. Das mittlerweile immer geringer werdende Interesse der Fans und der Medien am Bahnsport sieht er darin begründet. „Die Fahrer sind für die Zuschauer abstrakt geworden.“
Das war nicht immer so. Zu Beginn seiner Karriere sagte nach einem Rennen in Cloppenburg ein Kollege: „Der junge Mann fährt ja ganz gut, aber wir verstehen ihn nicht.“ Seitdem habe er sich bemüht, hochdeutsch zu sprechen. Mehr und mehr entwickelte sich Maier zu einem Entertainer der Bahnsportszene. Und auch heute noch ist kein Mikrofon sicher vorm Karle, wie er von seinen norddeutschen Fans gerufen wurde. Diese freuten sich neben Karle auch auf ein Weißbier, denn bei seinen Rennen im Norden der Republik hatte er immer einen Kasten an Bord. „Ich war gewissermaßen auch Weißbier-Botschafter.“
Der Besuch eines Sandbahnrennens mit seinem Vater hat beim kleinen Karl nach dessen kurzer und wenig erfolgreichen Fußball-Karriere in der Finsinger Schülermannschaft die Leidenschaft für den Motor- und speziell für den Bahnsport geweckt. 1977 steht er bei einer offiziellen Meisterschaft erstmals auf dem Siegertreppchen und wird Dritter Deutscher Gras- und Sandbahnmeister hinter Müller und Willi Duden. Seinen ersten von acht deutschen Titeln holt er sich 1979. Ein Jahr später driftet Maier im niedersächsischen Scheesel zum ersten Weltmeistertitel und schnappt sich zwei Jahre später diese Trophäe in Korsko (Dänemark) zum zweiten Mal. Es folgen noch die WM-Siege drei und vier. 1995 hat Maier den fünften WM-Titel praktisch schon in der Tasche. Wieder in Scheesel führt er das Fahrerfeld klar an, da stoppt ihn in der Zielkurve des letzten, entscheidenden Laufs ein Motorplatzer. Der dritte Platz frustet Maier so, dass er seine Karriere beendet.
Rund 750 Rennen hat Maier bestritten. Unzählige Pokale zeugen von einer „relativ kurzen, aber sehr erfolgreichen Karriere“. „Es war eine wunderbare Zeit“, schwelgt Maier in seinen Erinnerungen, während er in einem dicken Aktenordner mit alten Zeitungsartikeln blättert. Innerhalb kurzer Zeit habe er viel Erfolg gehabt – und sogar ein bisschen was verdient.
Ein Leben ohne den Motorradsport kann sich Maier auch heute noch nicht vorstellen. Zum Spaß dreht er ab und zu noch einige Runden auf der Speedwaybahn im Stadion Ellermühle in Landshut. Sein größter Wunsch für die Zukunft: „Dass i a mit Achtzge no an Wheelie fahrn ko“. Öfter findet man den Mechaniker-Meister mittlerweile aber in seinem Motorradfachhandel in Neufinsing.