Heute in einem Monat ist Bundestagswahl – doch von einer „heißen Phase“ ist dieser dahin dümpelnde Wahlkampf so weit entfernt wie der Sommer in Island. Die jüngste Allensbach-Studie hat die Gründe für die geringe Dynamik gut analysiert: Zum einen ahnen die meisten Deutschen, dass es ihnen im Vergleich zu anderen europäischen Ländern verhältnismäßig gut geht. Zum anderen entziehen sich Themen, die die Menschen wirklich bewegen, dem Wahlkampf: Ob man nun Union, SPD, FDP oder Grün wählt, hat wohl kaum Auswirkungen auf nordkoreanisches Säbelrasseln, die Zunahme von Anschlägen oder den weltweit um sich greifenden Autoritarismus.
Kein Wunder, dass alles entschieden scheint. Nur sechs Prozent können sich ab Herbst eine andere Person im Kanzleramt vorstellen als Angela Merkel. Gleichzeitig sind aber noch 46 Prozent jener, die sicher zur Wahl gehen wollen, unentschlossen, was sie wählen. Genau darin liegt die Gefahr für die Union, die in Umfragen so konstant und komfortabel führt, dass manch Anhänger das Kreuz vielleicht doch an anderer Stelle macht. Oder daheim bleibt.
Es könnte nochmal spannend werden. Vielleicht am Wahlabend, ganz sicher danach: Der Trend verfestigt sich, dass mit AfD und FDP zwei weitere Parteien ins Parlament einziehen. Das macht die Mehrheitsfindung besonders schwierig. Noch dazu steht im Oktober die Niedersachsen-Wahl an. Klingt nach einem heißen Herbst.
Mike Schier
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