Reporterin nach U-boot-Fahrt zerstückelt

Was geschah an Bord der „Nautilus“?

von Redaktion

von André Anwar

Kopenhagen – Nun steht Dänemarks U-Boote und Weltallraketen bauender Daniel Düsentrieb das Wasser tatsächlich bis zum Hals. Wie soll er das alles noch erklären? Gestern sprach die Polizei von einem „Durchbruch“ im Fall der in der Nacht zum 11. August bei einer Fahrt im U-Boot des Erfinders Peter Madsen (46) verschwundenen schwedischen Reporterin Kim Wall (30).

Ein am Montag von einem Radler am Strand in der Kögebucht südlich von Kopenhagen entdeckter Frauenoberkörper ohne Arme, Beine und Kopf, gehört laut einer DNA-Analyse der Journalistin. Es ist sichergestellt, dass die Körperteile absichtlich von Menschenhand abgetrennt wurden. Laut Polizei hat der Tüftler vermutlich versucht, den Leichenteil mit einem schweren Metallgegenstand zu versenken. Eine Obduktion hat zudem ergeben, dass versucht wurde, die gesamte übrige Luft aus den Lungen der Leiche zu pressen, so dass sie auch wirklich nicht wieder auftaucht. Zudem wurde Blut der Reporterin in Madsens vom Meeresgrund geborgenem U-Boot „UC3 Nautilus“ gefunden. Taucher waren weiter im Einsatz, um den noch verschollenen Kopf und die Gliedmaßen der Reporterin zu finden.

Und das ist noch nicht alles: Obwohl Madsen damals erst 16 war, gab die Polizei bekannt, dass sie auch prüfe, ob es einen Zusammenhang zu einem 30 Jahre zurückliegenden, auffällig ähnlichen Mord gibt. „Wir haben einen Fall von 1987, wo der Torso einer japanischen Touristin im Hafen von Kopenhagen gefunden wurde. Den werden wir uns auch angucken“, sagte Ermittlungsleiter Jens Möller.

Für den Erfinder sieht es schlecht aus. Zu oft hat er gelogen. Als Kim Walls Freund die Reporterin in der Nacht zum 11. August als vermisst meldete und berichtete, dass sie mit Madsen im U-Boot sei, um über den Tüftler zu schreiben, versuchte die Küstenwache Madsen über Funk zu erreichen. Doch erst am späten Morgen antwortete er auf die Funkanfragen. Er habe die Journalistin schon am Abend gegen 22.30 Uhr an einem Kopenhagener Restaurant abgesetzt. Doch Überwachungskameras zeigten, dass er log. Am gleichen Tag sank dann sein U-Boot, laut Madsen wegen eines Defektes. Er wurde gerettet, doch die Reporterin blieb verschollen. Nach der Bergung am Folgetag meldete die Polizei, dass das U-Boot absichtlich versenkt wurde. Wall blieb über eine Woche spurlos verschwunden. Erst am Montag, als der Frauentorso gefunden wurde, meldete die Polizei, dass Madsen ein Teilgeständnis abgelegt habe. Die Schwedin sei bei einem „Unglück“ im U-Boot gestorben. Er habe sie dann „auf See bestattet“, sagte Madsen aus.

Madsens Anwältin betonte gestern dennoch, dass ihr Mandant daran festhalte, dass sich lediglich ein tödliches Unglück im U-Boot zugetragen habe. Madsen sei unschuldig. „Die DNA-Analyse ändert nichts daran“, sagte sie. Tatsächlich dürfte es trotz allem schwer für die Polizei werden, konkrete Beweise dafür zu finden, dass es sich um „Mord“ und nicht um „fahrlässige Tötung“ handelte, sagen Experten. In letzterem Fall dürfte Madsen höchstens eineinhalb Jahre in Haft sitzen. Bei Mord sind es über 12 Jahre.

Autodidakt Madsen stammt aus einer armen Familie mit strengem Vater. Er gilt als genialer Erfinder. Drei seetüchtige U-Boote hat er daheim gebaut. Weil er als Nächstes mit einer selbst gebauten Rakete ins Weltall wollte, nannten die Dänen den gern gesehenen Talkshowgast auch „Raketen-Madsen“. Er galt als etwas durchgeknallt, impulsiv und energisch – aber harmlos. „Ein Mann besessen von Pulver und Raketen. Faszinierend und unvorhersehbar. Intensiv und hyperaktiv. Ein erwachsener Mann, der sich wie ein ADHD-Kind auf Speed verhält“, beschrieb ihn die Dänin Susanne Johansson in der Zeitung BT.

Sein Bruder verteidigte ihn noch kürzlich als hyperaktiven Technikfreak und Eigenbrötler mit liebenswerten Macken. Er habe autistische Züge, die etwa gewöhnliche Unterhaltungen, in denen es nicht um Technik und Wissenschaft gehe, fast unmöglich machten, so der Bruder. Aber er sei doch „kein Psychopath“. Nun ist der Bruder entsetzt. „Ich verzeihe ihm das nie, das ist so krank“, sagt er der Zeitung BT.

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