Dortmund – Das Hickhack um Ousmane Dembele hat ein Ende, der Rekord-Transfer des Talents von Borussia Dortmund zum FC Barcelona ist anscheinend perfekt: Nach „Bild“-Informationen einigten sich beide Klubs am Rande der Champions League-Auslosung gestern Abend auf eine Fixsumme von 120 Millionen Euro für den 20-Jährigen, der zum zweitteuersten Spieler der Welt wird. Zudem kann der BVB bis zu 30 Millionen als Boni kassieren.
Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke bestätigte die Einigung zunächst nicht. „Die Entscheidung naht, aber es gibt noch keine. Wir sind nicht der Klub, der so etwas in die Öffentlichkeit trägt. Wir können nur sagen, dass es kein fixes Agreement gibt“, sagte Watzke nach der Auslosung bei „Sky“. Eine Ad-hoc-Meldung des börsennotierten Bundesligisten blieb zunächst ebenfalls aus.
Alles deutet aber darauf hin, dass Dembele, der nur ein Jahr in Dortmund wirbelte, zum teuersten Bundesliga-Spieler der Geschichte wird. 2015 hatte der VfL Wolfsburg Kevin de Bruyne für 75 Millionen zu Manchester City ziehen lassen, diese Bestmarke verdoppelt sich nun. Die am Gezerre um den jungen Franzosen beteiligten drei Parteien fanden somit die Lösung, mit der alle ihr Gesicht wahren: Trotzkopf Dembelebekommt nach seinem Streik seinen Willen und den Wechsel zum Traumklub, Barca den Nachfolger für den für 222 Millionen Euro nach Paris gewechselten Neymar und der BVB die von Beginn an aufgerufenen 150 Millionen. Es ist, trotz der bedenklichen Handlungen des streikenden Profis, eine Win-Win-Win-Situation.
„Entweder Barcelona zahlt die Ablöse, die wir haben wollen, dann kann Ousmane gehen. Sollte Barca nicht bereit sein, diese Summe zu bezahlen, bleibt Dembele Spieler von Borussia Dortmund“, hatte Watzke noch am Wochenende gesagt und die Wechsel-Wahrscheinlichkeit auf „unter 50 Prozent“ beziffert. Dass der BVB in den Verhandlungen keinen Millimeter von seiner Marschroute abwich, brachte ihm einiges an Respekt ein – auch vonseiten der Konkurrenz. Klar war aber: Barcelona musste nach dem Neymar-Transfer handeln, das Umfeld machte gehörig Druck, dafür waren die Kassen voll. Das Ringen um Liverpool-Star Philippe Coutinho, der ebenfalls am Rande des Arbeitsausstandes stand, war bislang erfolglos – auch hier müsste Barca mindestens 150 Millionen locker machen. Und so zahlen die Katalanen nun für Dembele eine vor wenigen Wochen nie für möglich gehaltene Summe.
Ob Dembele der in 50 Pflichtspielen für den BVB auf zehn Tore und 22 Assists kam, bei Barcelona den etablierten Weltklassespieler Neymar ersetzen kann, muss sich zeigen. Im Zweifel geht Barca ein größeres Risiko als die Dortmunder. Diese haben beispielsweise in Christian Pulisic den potenziellen Dembele-Nachfolger schon im Kader, könnten zudem in der letzten Woche des Transferperiode (bis 31. August) noch recht offensiv auftreten.