Baku – Tausende Fans waren zum Flughafen in Baku gekommen, sie sangen, tanzten und wollten ihren neuen Fußball-Helden einfach ganz nah sein. Qarabag Agdam spielt bald als erstes Team aus Aserbaidschan in der Gruppenphase der Champions League – es sind Namenlose auf der ganz großen Bühne.
„Es ist toll, dass wir unser Land stolz gemacht haben – das ist ein historischer Moment“, sagte Agdam-Trainer Qurban Qurbanow. Seinem Team reichte nach dem 1:0 im Playoff-Hinspiel ein 1:2 beim FC Kopenhagen, um das Land in einen Freudentaumel zu stürzen. „Noch nie habe ich mich über eine Niederlage so gefreut“, sagte Qurbanow, der nach dem Abpfiff in Tränen ausbrach. Qarabag Agdam ist alles andere als ein normaler Fußball-Klub. Seit Sommer 1993 hat der Verein kein richtiges Heimspiel mehr ausgetragen.
„Wir haben harte Zeiten durchgemacht“, sagte Kapitän Raschad Sadigow. Die Stadt Agdam gleicht seit Jahren einer Geisterstadt. Anfang der 90er Jahre eskalierte der Bergkarabachkonflikt in der Grenzregion zwischen Aserbaidschan und Armenien, Tausende Menschen verloren ihre Heimat und konnten bisher nicht zurückkehren. Qarabag wird in Aserbaidschan auch der „Flüchtlingsklub“ genannt.
1993 holte der Verein das Double, danach begann eine Odyssee. Mittlerweile ist die Mannschaft in der Hauptstadt Baku sesshaft geworden, die Heimspiele werden im Tofiq-Bahramow-Stadion ausgetragen – benannt nach dem Linienrichter, der 1966 das Wembley-Tor übersah. Sadigow richtete schon einmal eine Kampfansage an alle Teams, die nach Baku fliegen müssen: „Wir haben vor niemandem Angst.“ sid