Garmisch-Partenkirchen – Die nächsten Wochen sind kritisch. Das weiß auch Peter Huber. „Beim Seilzug kann einiges passieren.“ Und der läuft momentan auf Hochtouren. Vier Tragseile, jedes 72 Millimeter dick, 150 Tonnen schwer und knapp 4500 Meter lang, gilt es, vom Eibsee aus auf Deutschlands höchsten Berg zu befördern. Ende September, hofft der Technische Vorstand der Bayerischen Zugspitzbahn (BZB), ist dieser Meilenstein gemeistert. „Dann geht’s uns allen besser.“ Mit Schrecken denkt er an das, was den Kollegen passierte, als sie 1990 die Tiroler Zugspitzbahn errichteten. Ein Tragseil fiel beim Seilzug zu Boden, war massiv beschädigt und musste ersetzt werden. Die Folge: eine monatelange Verzögerung. Die kann Huber nicht brauchen. Der Termin, wann die neue Seilbahn Zugspitze in Betrieb gehen soll, steht schließlich längst: Am 21. Dezember befördert sie erstmals Gäste auf Deutschlands höchsten Berg.
30 bis 40 Arbeiter und Monteure sind derzeit auf der spektakulären Baustelle beschäftigt. Stahlbau, Installationen, Seilbahntechnik – alles läuft parallel. „Jetzt haben wir die absolute Hochphase erreicht, an allen Ecken und Enden passiert etwas“, sagt Martin Hurm, der zuständige Projektleiter der BZB. Er, Huber und ihre Kollegen wollen vor allem eines: den anvisierten Eröffnungstermin halten. Dass die Bergstation dann noch nicht komplett fertig ist, die Gastronomie erst im Sommer 2018 ihre Räume bezieht, nehmen sie gerne in Kauf. „1992, als die neue Gletscherbahn betriebsbereit war, sind wir auch in einer Baustelle mit Holzwänden angekommen“, erinnert sich Huber. „So schlimm wird’s diesmal nicht.“ Für Mitarbeiter und Gäste sei das damals kein Problem gewesen. Hauptsache, die Technik funktioniert.
Der Zeitplan, den sich das Bergbahn-Unternehmen für dieses 50-Millionen-Euro-Projekt gesetzt hat, ist ausgesprochen ehrgeizig. Sobald die neuen Seile mithilfe der alten, nur 47 beziehungsweise 41 Millimeter dicken gezogen sind – „die leisten quasi Geburtshilfe“, sagt Huber und lacht –, werden die beiden Stützen der alten Eibsee-Seilbahn gekappt. Ihr Nachfolger benötigt nur noch eine – 127 hoch auf 1285 Metern. Einzigartig für eine Anlage, die eine Höhendifferenz von 1945 Metern überwindet.
Einen weiteren Meilenstein nennt Projektleiter Hurm das Einhängen der Kabinen. Anfang September wird die erste, bis zu 120 Personen fassende aus der Schweiz geliefert. Ihr Pendant folgt wenige Wochen später. „Anfang, spätestens Mitte Oktober sind sie dann an Ort und Stelle“, betont der Projektleiter. Während dann, wenige Wochen vor der Eröffnung, der Innenausbau an der Bergstation weitergeht, startet bereits die Schulung der Mitarbeiter und der Probebetrieb der neuen Anlage. Mindestens 20 Stunden muss sie meistern, ehe die Behörden sie für den Publikumstransport freigeben.
Das Interesse an Deutschlands höchster Baustelle ist derweil ungebrochen. „Wir bieten in den Sommerferien eine zusätzliche Führung an“, sagt BZB-Sprecherin Verena Lothes. Somit stehen den Gipfelstürmern drei Termine – um 9.45, 15 und 16 Uhr vor dem Kiosk im ersten Stock der Gipfelstation – offen, um hinter die Kulissen der Seilbahn Zugspitze zu blicken.