Das Doppelleben der Attentäter

von Redaktion

Gut integriert, so beschreiben Einwohner von Ripoll die späteren Attentäter – Aber der Schein trog

Barcelona/Ripoll – In dem beschaulichen Örtchen Ripoll am Fuße der spanischen Pyrenäen herrscht Fassungslosigkeit. „Era buena gente“, zitiert die Zeitung „El País“ eine Bürgerin: „Das waren anständige Leute“. So ähnlich antworten alle, die nach den Anschlägen von Barcelona und Cambrils zu ihren Eindrücken von den Tätern befragt werden. Die meisten der Täter lebten in dem 11 000-Seelen-Ort.

Eine Clique von Freunden, manche spielten Fußball, andere hatten normale Jobs – so beschreiben die Menschen in Ripoll die Gruppe junger Marokkaner. Zwar kamen die Männer aus bescheidenen Verhältnissen, aber sie waren weder arm noch chancenlos. Manche spielten im Fußballverein, einige hatten feste Arbeit. Sie waren gut integriert – zumindest oberflächlich.

Mohamed Hychami, der zusammen mit seinem Bruder Omar bei dem vereitelten Anschlag von Cambrils von der Polizei erschossen wurde, arbeitete zum Beispiel in einem metallverarbeitenden Betrieb. Er war so unersetzlich, dass sein Chef ihn einmal wegen eines wichtigen Auftrags bat, seinen Urlaub zu verschieben. Hychami willigte ein. Auch Omar hatte einen Job, Kollegen beschreiben ihn als „korrekt, gut erzogen und tüchtig“.

„Die beiden Brüder haben nie die Stimme erhoben“, sagte eine Anwohnerin, die in der Nachbarschaft der Familie des mutmaßlichen Haupttäters Younes Abouyaaquoub lebt. Am klarsten machte es wohl die Schwester von Moussa und Driss Oukabir: „Ich bin Katalanin“, wurde sie von „El País“ zitiert. Misslungene Integration klingt anders. Jetzt ist ihr 17-jähriger Bruder Moussa tot, Driss wurde unter Terrorverdacht festgenommen. Von dem Doppelleben der Geschwister hatte die Familie offenbar nichts bemerkt.

Wie das passieren konnte, ist vielen ein Rätsel. „Sie müssen von jemandem manipuliert worden sein. Irgendjemand hat ihnen seltsame Ideen in den Kopf gesetzt“. So versuchen die Bewohner, sich das Unfassbare zu erklären.

Mittlerweile scheint klar, dass dieser Jemand der Imam von Ripoll war, Abdelbaki Es Satty. Um ihn herum waren die jungen Männer quasi sektenähnlich organisiert, sie kommunizierten nur offline. „Die Gruppe ist ein geschlossener Kreis, und es wird alles unternommen, damit nichts nach außen dringt“, sagt die Direktorin des European Institute of the Mediterranean, Lurdes Vidal. Vermutlich kam die spanische Polizei der Zelle deshalb so lange nicht auf die Schliche.  dpa

Artikel 1 von 11