Flirt mit Adlung: 1860 bahnt die nächste Rückholaktion an

von Redaktion

Bierofka setzt mit Erfolg auf ihm vertraute Spieler – seit einigen Wochen soll auch wieder Kontakt zum vereinslosen Ex-Löwen bestehen

München – Nach seiner blitzartigen Beförderung zum Teamkapitän ging es ganz schnell und Daniel Adlung wurde ebenso überraschend aufs Abstellgleis geschoben. Das Zweitligaauswärtsspiel am 3. Februar bei Arminia Bielefeld (1:2) war das letzte, das Adlung im Löwen-Trikot bestritt (mit Kapitänsbinde). Danach spielte er bei Trainer Vitor Pereira keine Rolle mehr, tauchte teilweise nicht mal mehr im Kader auf – ehe er nach besiegeltem Abstieg schweigend das Weite suchte.

Keine Blumen, kein Wort des Danks nach vier intensiven Jahren beim TSV 1860. Nur einmal meldete sich Adlung, 29, noch zu Wort. Das war Ende Juni gegenüber dem TV-Sender Sky, als der Mittelfeldkämpfer tief in seine Seele blicken ließ. „Absolut schmerzhaft“ sei sein Abschied von 1860 gewesen, klagte Adlung: „Wenn man sieht, wohin der Weg jetzt leider gehen musste, ist das umso bitterer.“ Und auch das sagte der frustrierte Ex-Löwe: „Das Teamgefüge wurde durcheinander gewürfelt.“ Die Reservisten, also auch er, seien zum Schluss „mehr oder weniger geduldet“ worden.

Knapp drei Monate ist das jetzt her, gefühlt noch länger. Der nicht mehr Geduldete ging zurück in seine Heimat Fürth, sondierte den Markt, kam in der ersten Sommertransferwelle nirgendwo unter – und könnte nun von der neuen Willkommenskultur bei 1860 profitieren.

Aus dem Umfeld des Spielers ist zu erfahren, dass seit einiger Zeit wieder Kontakt zu 1860 besteht. Kein Zufall, nachdem Daniel Bierofka stets große Stücke auf den U 21-Europameister von 2009 hielt – und der Trainer zuletzt beste Erfahrungen mit Rückholaktionen gemacht hat. Jan Mauersberger war der erste Ex-Profi, den er für eine Zukunft bei 1860 motivierte. Es folgten Daniel Wein (2002 bis 2005), Timo Gebhart (2004 bis 2007), Sascha Mölders (2016/17), Phillipp Steinhart (2004 bis 2014) und Markus Ziereis (2007 bis 2013). Bierofka wollte gestern noch nicht bestätigen, dass Adlung (wieder) ein Thema bei 1860 ist. „Morgen“ lautete sein einziger, womöglich vielsagender Kommentar.

Adlung hatte gute Spielzeiten bei 1860 und großen Anteil an der Last-Minute-Rettung 2015. Ohne seinen Treffer im Relegationsrückspiel gegen Kiel (1:1/78.) hätte das entmutigte Team kaum noch mal letzte ligaerhaltende Kräfte mobilisiert. Oftmals blieb der optisch Auffällige aber auch unsichtbar und schien in desorientierten Mittelfeldbesetzungen sein eigenes Spiel zu spielen. Eines konnte ihm jedoch keiner seiner insgesamt zehn Trainer bei 1860 vorwerfen: mangelnden Einsatz. 107 Spiele, 11 Treffer. Seine Leistungsbilanz ist ordentlich, nicht überragend. Nach Lage der Dinge erhält Adlung nun die Chance, sie auf Vordermann zu bringen, womöglich sogar mit einem Aufstieg anzureichern.

Eine Entscheidung wird bis Mitte nächster Woche erwartet. Am 31. August endet in Mitteleuropa die Transferperiode. Viele Türen werden sich bis dahin schließen – die von 1860 jedoch offen bleiben. Als vertragsloser Spieler darf Adlung auch danach noch wechseln. uli kellner

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