Bogner und Kroetz gemeinsam – das klingt wie ein Versprechen. Wenn sich der Kultregisseur und der Dramatiker und Kultschauspieler gemeinsam an ein Serienprojekt wagen, ist hohe Qualität garantiert. Witz, Charme und Schauspielkunst vor bayerischer Kulisse gibt es also demnächst wieder im ZDF zu sehen. In der neuen Serie „Über Land“, für die Franz Xaver Bogner und Franz Xaver Kroetz gerade die Pilotfolge und zwei weitere Episoden in Berchtesgaden, dem Landkreis und dem Münchner Raum drehen.
Die Drehbücher stammen – natürlich – von Bogner selbst. Der 68-Jährige sitzt auf seinem Stuhl am Rathausparkplatz und betrachtet einen Monitor, in dem die abgedrehte Szene gerade gezeigt wird. Dass er hier in Berchtesgaden das Set aufbauen würde, war für ihn recht schnell klar. Ein großes Gerichtsgebäude in nächster Nähe zu einem Parkplatz und einem Café sollte es sein. „Am Rathausplatz von Berchtesgaden waren diese Voraussetzungen bestens gegeben“, sagt der erfahrene Filmemacher. Nicht umsonst zählt er zu den großen Regisseuren des Landes. Mit „Zur Freiheit“ und der Fernsehserie „Irgendwie und sowieso“ hat er in den Achtziger- und Neunzigerjahren Kultstatus errungen. Anders als etwa in seiner Serie „München 7“ muss er in Berchtesgaden höchstens mal beim Glockengeläut der nur einen Steinwurf entfernten Stifts- und Pfarrkirche den Dreh unterbrechen. Bei den Aufnahmen in der Landeshauptstadt sieht das anders aus: „Am Viktualienmarkt sind gefühlt zehn Kirchen in nächster Nähe, deren Glockenschlag nacheinander einsetzt.“ Und die lärmenden Flugzeuge im Münchner Raum seien ebenfalls oft eine Katastrophe.
Ein paar Tierschützer mit Plakaten sind gerade im Pulk über den Parkplatz gegangen. Bis die Szene im Kasten ist, müssen die Darsteller, darunter auch Komparsen aus dem Ort, die Aufnahme mehrfach wiederholen. Koordinator und Setaufnahmeleiter ist Götz, ein groß gewachsener Mann mit kräftiger Stimme, der immer dann über den Platz ruft, wenn der Dreh weitergeht. Das Tagespensum ist genau getaktet. Maria Simon („Good Bye, Lenin“) die Hauptdarstellerin in der Rolle der Frieda Mirko, muss heute eine Szene drehen, in der sie mit dem Auto ankommt. Die Berlinerin ist das erste Mal in Berchtesgaden. Tags zuvor hatte sie drehfrei und nutzte die Gelegenheit, das Salzbergwerk zu besichtigen. Noch immer schwärmt sie von ihrem Besuch, der dortigen Stille. „Ich bin begeistert“, sagt sie und scherzt: „Wenn jemand meinen Job haben möchte, arbeite ich gerne unter Tage und führe die Besucher durch den Berg.“
Normalerweise kennt man die 41-Jährige als Kriminalhauptkommissarin Olga Lenski im „Polizeiruf 110“, dieses Mal geht’s eher nach dem Motto „Hol schon mal den Wagen“ – spielt sie doch die Fahrerin eines eigensinnigen Richters, Max Althammer. Dessen Part übernimmt – wie könnte es anders sein – Franz Xaver Kroetz. Er befasst sich mit zum Teil kuriosen Fällen, sie hilft, mitunter nicht ganz freiwillig, bei der Urteilsfindung.
„Ein schräger Typ“, sagt Kroetz über seine Filmrolle, „ein linker Hund“. Der Max Althammer sei kein anständig braver Richter, sondern eben einer, der aneckt. Bogner hat ihm die Rolle auf den Leib geschrieben – „Ich wollte das so.“
Seit drei Jahren hat er, der durch Helmut Dietls „Kir Royal“ in der Rolle von Baby Schimmerlos für immer in unser kulturelles Gedächtnis eingegangen ist, nicht mehr gedreht. Mit wem, wenn nicht mit Bogner, würde es sich lohnen, diese Pause zu beenden? Für Kroetz ein „Glücksfall“. Denn der Bogner, der sei integer, mit dem könne man sich hervorragend unterhalten. Und dann die Kulisse! Er, der im Münchner Westen und am Chiemsee lebt, liebt die Alpen. Wenn die Sehnsucht gar zu groß wird, macht er Urlaub in Südtirol. Überhaupt: Das Verlassen des Wohnortes sei wichtig für einen selbst. Damit man zur Ruhe kommt, die Gedanken schweifen lassen kann – „das Berchtesgadener Land ist eine göttliche Gegend“.
Nicht nur für die Seele der Schauspieler, sondern auch für die Zufriedenheit des Regisseurs. Die rührt freilich nicht nur von der Landschaft her. Als einer, der so viele Jahre im Geschäft ist, weiß Bogner: Das Geheimnis des Filmemachens besteht in der Vorbereitung. „Wenn alles exakt geplant wird, ist ein Dreh mit einer gewissen Art von Lustfaktor verbunden.“ Seit langer Zeit arbeitet er mit denselben Leuten zusammen. Man kenne sich, wisse, wie der andere arbeitet, „das passt alles“.
Und so schwingt bei Franz Xaver Bogner auch die Hoffnung mit, durch „Über Land“ an alte Erfolge anzuknüpfen. Das funktioniert natürlich nur dann, wenn die Zuschauer einschalten. Eine Option auf weitere Folgen der Reihe, deren Sendetermin noch nicht feststeht, gibt es aber von ZDF-Seite. Vielleicht kehrt das Filmteam dann auch wieder ins Berchtesgadener Land zurück.