Es ist schon schade. Da wartet mal ein Farbtupfer wie Qarabaq Agdam in Lostopf Nummer vier, doch am Ende hat der FC Bayern für seine Champions League-Vorrunde wieder ein weitgehend grau gestrichenes Quartett zusammengestellt bekommen. Gewiss, Paris mit dem obszön teuren Neymar übt sicherlich Reize aus, und Anderlecht sowie Celtic Glasgow sind beileibe nicht unsympathisch – aber, seufz, dieses No-Name-Team aus dem Grenzgebiet zwischen Aserbaidschan und Armenien hätte mit seiner Exotik gewirkt, ehe es ab dem Achtelfinale dann gegen die ewig gleichen Vertreter der Elite in die entscheidende Phase der Königsklasse geht.
Es gehört in jedem Jahr dazu wie ein Glühwein vor Weihnachten: Das Teufel-an-die-Wand-malen vor dem Auslosen der Champions League-Vorrundengruppen. Niemals darf dabei der Begriff Hammergruppe fehlen, und auch in diesem Sommer hatten die Leute viel Freude daran, beispielsweise für den FC Bayern ein Quartett mit niederschmetternder Schlagkraft zusammenzuorakeln. Barcelona, Liverpool, Sporting Lissabon wäre so ein Ensemble gewesen. Oder ManCity, Neapel, Rotterdam. Stattdessen lautet das Bayern-Los: Große Namen, kleine Fische. Ein Klub, der den Anspruch hat, den Titel zu holen, darf in dieser Gruppe keine Probleme haben.
Die deutschen Fans können dem Herbst in der Königsklasse generell relativ entspannt entgegensehen. Die Dortmunder haben mit Real Madrid, Tottenham Hotspur und Apoel Nikosia sicher die härteste Vorrunden-Prüfung erwischt, doch der BVB wusste sich schon oft in starken Gruppen zu behaupten. Die Leipziger dürfen die Kombination Monaco, Porto und Besiktas Istanbul als Einstandsgeschenk werten; für die Akklimatisierung in Europas Elite hätte es unfreundlichere Rahmenbedingungen gegeben. Die Chancen, dass alle drei Vertreter der Bundesliga die K.o.-Runde erreichen, stehen recht gut.
Da alles in den üblichen Bahnen ausgerichtet zu sein scheint, ist es umso bedauerlicher, dass den Fans so ein Farbklecks wie Qarabaq Agdam entgeht. Mit Spielern, die Wilde-Donald Guerrier heißen (der Mann stammt aus Haiti) oder Namensungetüme wie Shahrudin Mahammadaliyev sind, haben unbestritten viel Charme. Und ab und zu sind es halt einfach die kleinsten Fische, die im großen, weiten Meer die meiste Faszination entfachen.