München – Der erste Gegner des EHC München in der Champions Hockey League heute (19.00 Uhr, Olympia-Eissportzentrum) heißt: KS Comarch Cravovia. Also Krakau, Polens Meister.
Doch was weiß man schon über polnisches Eishockey? Seit fast drei Jahrzehnten ist Polen aus der Weltmeisterschafts-A-Gruppe verschwunden, es war immer ein Schwellenland, in den 80er-Jahren sogar noch auf Entwicklungshilfe durch den Weltverband angewiesen, der Leim für die Fabrikation der Schläger lieferte. Ein paar Spieler sind aber berühmt geworden. Henrik Pytel war mal Bundesliga-Torschützenkönig (Landshut 1984), Wieslaw Jobczyk wurde zum ewigen Torrekordler in einer Zweitligasaison (115 Treffer für Duisburg in 60 Spielen 1986/87), und in Mariusz Czerkawski hatte Polen dann sogar einen echten NHL-Star (fast 800 Spiele zwischen 1993 und 2006), der noch dazu mit einem Bond-Girl (Izabelle Scorupo aus „Golden Eye“) verheiratet war.
Konrad Abeltshauser, Verteidiger beim EHC München, kann noch Adam Borzecki nennen, „weil der in Tölz gespielt hat“, als er selbst da noch die Nachwuchsmannschaften durchlief. Polen-Erfahrung ansonsten: „Bei einer U 18-WM habe ich dort gespielt.“ Auf den aktuellen Informationsstand zu Krakau werden Abeltshauser und die Mannschaft dann am Spieltag gebracht, wenn Trainer Don Jackson seine Videozusammenschnitte vorführt. Aber klar ist: Für dieses erste Heimspiel in der Gruppenphase herrscht Siegpflicht.
Denn die weiteren Gegner sind Schwergewichte: IFK Helsinki kommt am Sonntag (18 Uhr) nach München; mit Brynäs Gävle aus Schweden bekommt der EHC es im Oktober zu tun. Aus der Vierer-Gruppe schaffen es zwei Klubs ins Achtelfinale.
„Die Skandinavier haben eine gewisse Favoritenrolle“, meint Abeltshauser, der bei der WM im Mai in Köln vor allem die Schweden, die Weltmeister wurden, näher begutachten konnte. „Sehr strukturiert, offensiv wie defensiv, läuferisch stark und dem Körperlichen nicht abgeneigt“, findet er viel Gutes an der schwedischen Eishockey-Kultur, und die finnische ist nicht viel anders. Der EHC München hat in der CHL eine anspruchsvolle Gruppe erwischt.
Dennoch herrscht Zuversicht. „Voriges Jahr haben wir gegen Växjö aus Schweden gespielt und waren nahe dran“, erinnert sich Abeltshauser, Mut gemacht hat zudem das Saisonvorbereitungsturnier in Garmisch-Partenkirchen, bei dem der EHC den Schweizer Meister SC Bern (7:2) und den Champions-League-Finalisten Sparta Prag (5:2) schlug. „Ich denke, es ist nur eine Frage der Zeit, dass ein deutsches Team in der CHL weit kommt“, erwartet Christian Winkler, Managing Director Sports beim EHC. Neben den Münchnern sind aus der DEL Finalgegner Wolfsburg und Hauptrunden-Vize Mannheim dabei. Die CHL-Teilnehmerzahl wurde von 48 auf 32 Klubs reduziert, qualifizieren konnte man sich nicht mehr über Gesellschafteranteile, sondern nur auf sportlichem Wege. „Als Spieler finde ich das gut“, sagt Konrad Abeltshauser, „aber die Zuschauer müssen es noch annehmen“.
Was die Resonanz betrifft, ist Cracovia ein CHL-Vorzeigeklub, vorige Saison hatte er aus seinen beiden Heimspielen einen Schnitt von 6666. Geldgeber ist das Softwareunternehmen „Comarch“ bekannt auch als „das polnische Microsoft“ (mit Niederlassung in München). Comarch war auch schon Hauptsponsor des TSV 1860.
Im Eishockey ist die Champions League für die meisten Beteiligten ein Nebenbei-Wettbewerb, nicht zu vergleichen mit dem im Fußball. Dennoch: Gewinnen will man ihn. „Man kann damit“, findet Kony Abeltshauser, „gut angeben“.