Kurz bevor sich Frankreichs neuer Präsident Emmanuel Macron in den höchst konfliktträchtigen Kampf um die Reform des Arbeitsmarktes zu Hause in Frankreich stürzt, schärft er sein soziales Profil bei einem äußerst sensiblen Thema, über das schon im Wahlkampf viele Franzosen Klage geführt haben: Sozialdumping durch entsandte Arbeitnehmer aus Billiglohnländern der EU.
Nach der EU-Richtlinie von 1996 kann eine Firma ihre Angestellten befristet zur Arbeit in andere Länder schicken, aber weiter niedrige Sozialabgaben wie im Heimatland zahlen. Das sorgt in vielen Hochlohnländern für böses Blut. Macron will das ändern und hat Berlin in dieser Frage, wenn auch weniger forsch, an seiner Seite. Dem Prinzip „gleiches Entgelt für gleiche Arbeit am gleichen Ort“ soll endlich Rechnung getragen werden. Widerstand aus Polen, Ungarn und anderen südosteuropäischen Ländern ist Macron dabei ebenso gewiss wie aus jenen Wirtschaftskreisen, die mit Subunternehmen aus jenen Billigländern ihre Bilanz aufbessern. Zwar hat auch die EU-Kommission bereits eine Reform der Richtlinie vorgelegt, doch die geht Macron nicht weit genug. Bis Oktober will der Franzose Nägel mit Köpfen machen, ein heißer Herbst ist ihm schon jetzt gewiss.
Alexander Weber
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