Basketball

Zurück im Alltag

von Redaktion

Nach dem Ende seiner EM-Hoffnungen steigt Alex King in die Vorbereitung beim FC Bayern ein – eine neue Rolle winkt

Von Patrick Reichelt

Madonna di Campiglio – Gestern Vormittag war Alex King schon wieder im Alltag angekommen. Im kleinen Sportzentrum von Madonna di Campiglio schwitzte der Forward des FC Bayern zu den knappen Anweisungen des Münchner Athletiktrainers Mladen Mihailovic. Erst wenige Stunden zuvor war er nach kurzem Zwischenstopp in der Heimat bei seiner Ehefrau Agata und den kleinen Zwillingen Emily und Alexis ins Mannschaftsquartier nachgereist, wo er sich ab sofort mit seinen Teamkollegen auf die kommende Bundesliga-Spielzeit einstimmt.

Den ein oder anderen Gedanken wird King, 32, aber noch nach Berlin schweifen lassen, wo die deutsche Nationalmannschaft am Sonntag gegen Frankreich ihre Generalprobe für die am Donnerstag beginnende EM in Israel bestreitet. „Ich war jetzt sechs Wochen mit den Jungs unterwegs“, sagte er, „natürlich fühle ich mich noch als ein Teil von ihnen.“

Zur Wochenmitte hatte sich King in einem intensiven Gespräch mit Chris Fleming zum Abschied aus dem EM-Tross entschlossen. Über weite Strecken der Vorbereitung hatte ihm der Bundestrainer nur wenig Spielanteile eingeräumt. Und daran hätte sich wohl wenig geändert. Auch wenn Fleming den routinierten Münchner als Führungsfigur für seine jungen Spieler schon ganz gerne an Bord behalten hätte.

Von Groll keine Spur, es reut King nicht, so lange dabei gewesen zu sein. Zumal der Deutsche Basketball Bund zwischenzeitlich sogar die Familien der Profis ins Vorbereitungsquartier nach Berlin eingeladen hatte. „Solange ich merke, dass ich spielen kann, werde ich immer für die Nationalmannschaft zur Verfügung stehen. Ich liebe es, für mein Land zu spielen.“

Doch nun gilt die Konzentration dem FC Bayern. „Weil ich hier einfach mehr Praxis bekomme“, sagte er, „und ich weiß, dass ich die einfach brauche.“ Wobei King nur zu gut weiß, dass er auch in München um seine Anteile wird kämpfen müssen. Schon im letzten Jahr war er im Ensemble von Trainer Sasa Djordjevic der Mann für die speziellen Momente. Der von der Bank kam, um der Mannschaft die benötigte Energie zu bringen. Bei normalem Verlauf wird es so wohl wieder kommen.

Wobei dem in München aufgewachsenen King in der näherrückenden Saison schon auch abseits des Spielfeldes eine besondere Rolle zukommen könnte. Mit Bryce Taylor (Bamberg) und Maxi Kleber (Dallas) haben die Bayern nicht nur Führungs-, sondern auch Identifikationsfiguren verloren. Jene Gesichter, die in der Öffentlichkeit für die Korbjäger des FC Bayern standen. Durchaus denkbar, dass der immer freundliche, eloquente Routinier einer derjenigen sein wird, die diese Lücke füllen.

Es ist eine Rolle, die ihm liegt. Bei seinem letzten Arbeitgeber ALBA Berlin war King Kapitän und Aushängeschild. Und auch in seinem vergangenen Premierenjahr in München war er – trotz seiner vergleichsweise überschaubaren Spielanteile (12 Minuten pro Partie im Schnitt) – Co-Kapitän und ein gerne gesuchter Ansprechpartner für Trainer Sasa Djordjevic. Auch jetzt, am Rande des Supercups, hat sich der derzeit als serbischer Nationaltrainer gefragte Bayern-Coach mit ihm getroffen. „Mir liegt das einfach“, sagte King, „ich bin schon ein Mensch, der gerne auf andere zugeht.“

Was er übrigens jetzt bei der bevorstehenden EM bei Bedarf auch wieder in der Nationalmannschaft täte. Auf Abruf würde King für das Turnier noch immer bereitstehen. „Wenn wir ins Finale kommen“, erklärte King mit einem Augenzwinkern, „dann bin ich wieder da.“

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