Ex-Engelsstimmen erobern die große Bühne

von Redaktion

Pop, Musical, Dirigieren: Diese Stars brachte das „Münchner Weihnachtssingen Heilige Nacht“ hervor

Die Engelsstimmen werden heuer zum 14. Mal alles daran setzen, ihr Publikum zu begeistern. Einige der Ehemaligen bauen sich inzwischen erfolgreich Karrieren im Musikbereich auf:

Alice Merton rockt heute die ganz großen Bühnen. Die 24-Jährige feiert seit 2016 mit dem Song „No Roots“ große Erfolge und ist vergangene Woche in Hamburg mit dem Musikpreis des Verbands der Deutschen Konzertdirektionen (VDKD) ausgezeichnet worden. Was kaum einer weiß: Die deutsch-britische Popmusikerin, die in Kanada aufwuchs, elf Mal umzog und sich deshalb überall und nirgends zu Hause fühlt, startete ihre Bühnenkarriere beim Weihnachtssingen. Damals sang sie schon im Tonstudio die Titel mehrsprachig ein. Sie war früher eine der Kindersoprane bei den Engelsstimmen. Heute nach dem Imagewechsel zur Popmusikerin scheinen die Auftritte im Dirndl vor dem Weihnachtsbaum weit weg zu sein, doch Enrico de Paruta erinnert sich gerne zurück, denn schon vor acht Jahren begeisterte ihn Alice Merton mit ihrem großen Talent.

So geht es ihm bei vielen der bislang 68 Engelsstimmen. Stolz berichtet er, dass einige von ihnen heute als Solokünstler erfolgreich sind. „Ich freue mich darauf, später in ihren Konzerten zu sitzen und mich von ihrem Können verzaubern zu lassen“, sagt er. Vor Kurzem besuchte er in Füssen das Musical „Ludwig²“ und war völlig begeistert, als er auf der Bühne die ehemalige Engelsstimme Lisa Hörl (24) aus Vohburg entdeckte. Sie studiert nun die Fächer Musical und Show an der Universität der Künste in Berlin und war bei den Festspielen in Füssen nicht nur Mitglied des Ensembles, sondern wurde auch als Ersatz in drei Hauptrollen eingesetzt: Als Ludwigs Mutter Maria von Preußen, als Ludovica und als Kindermädchen vom kleinen Ludwig. „Mein Ziel ist es, mich als Musicaldarstellerin ernähren und finanzieren zu können“, sagt sie und freut sich, dass ihre Eltern früh an sie glaubten. Schon als Neunjährige bekam Lisa Gesangsunterricht, zunächst bei Franz Garlik aus Pfaffenhofen/Neuburg, später bei Marianne Larsen vom Gärtnerplatztheater in München. „In der Schule kommen die musischen Fächer zu kurz“, bedauert Lisa. So seien die Engelsstimmen ein Glück für begabte Kinder: „Es macht Spaß, die Mischung ist perfekt, da die Ausbildung kindgerecht und trotzdem hochprofessionell verläuft und man in die Rollen hineinwachsen kann“, sagt sie.

Auch Anna Handler (21) aus Ottobrunn sammelte bei den Engelsstimmen viele wertvolle Erfahrungen. Im Leben von Anna steht Musik seit Jahren auf Platz eins, sie studiert an der Hochschule für Musik und Theater in München die Fächer Klavier und Dirigieren, leitet ein eigenes Kammerorchester und hat sogar an der Oper Erfahrung als Co-Dirigentin gesammelt. Sie und ihre 18-jährige Schwester Laura sind Ausnahmetalente, sagt Enrico de Paruta. Laura ist Geigerin und studiert im Hochbegabteninstitut am Mozarteum in Salzburg. „Ich verfolge begeistert ihre Karrieren“, sagt de Paruta.

So auch die von Kevin Prinz (23), der Musicalgesang an der Hochschule für Theater und Medien in Hannover studiert. Seit Bestehen der Engelsstimmen 2004 gab es 68 mitwirkende Kindersoprane, die als Engelsstimmen Preisgelder und eine musikalische Förderung erhielten.

Mit der 14. Verleihung des Nachwuchsförderpreises musica Bavariae 2017 beim Festabend des „Münchner Weihnachtssingens Heilige Nacht“ am 14. Dezember 2017 in der Allerheiligen-Hofkirche werden es insgesamt 83 000 Euro sein, die seit 2004 an 68 Preisträger ausgeschüttet worden sind. Die Fördergelder stammen von Sponsoren und gehen jeweils zur Hälfte an die Preisträger und deren Schulen, Musikschulen oder Chöre.

„Das Geld ist für uns ein großes Geschenk, weil wir damit junge Talente fördern und ausbilden können“, sagt de Paruta. Was junge Talente nämlich auch brauchen, neben den Gaben, die ihnen die Natur mitgegeben hat, sind Menschen, die ihr Talent sehen und fördern.

Susanne Sasse

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