„Miau, Miau“, ertönt es in allen Tonlagen, die Mädchen lachen, die Buben sind noch ein wenig gschamig und steif. Es ist ein sonniger Samstagvormittag im Pfarrzentrum St. Thomas in der Cosimastraße in München. 19 hochmusikalische Kinder bereiten sich hier in Workshops, die der Förderverein musica Bavariae e. V. veranstaltet und aus Spendengeldern und Mitgliedsbeiträgen finanziert, auf viele große Auftritte in der Weihnachtszeit vor. Im Dezember werden sie mit Profisängern und Schauspielern auf der Bühne stehen und als jüngste Solisten beim „Münchner Weihnachtssingen Heilige Nacht“ in der Allerheiligen-Hofkirche mitsingen und mitspielen. Dafür üben sie unter anderem bei Professor Gabriele Fuchs, Sopranistin und emeritierte Gesangspädagogin der Hochschule für Musik und Theater in München, die Atem und Stimmen der Kinder trainiert und mit ihnen das Katzenduett von Wolfgang Amadeus Mozart einstudiert.
Beim Katzenduett wechseln die Rollen, mal wollen die Katzen die Kater bezirzen, mal andersherum. Gerade schmiegen sich die Mädchen in ihrer Rolle als Katzen aneinander und lassen die Buben als Kater vor ihnen betteln. Anfangs ein wenig zaghaft, doch die erfahrene Sopranistin Gabriele Fuchs weiß, da geht noch mehr. „Seids richtige Kater und nicht so zahme Dachhasen“, ermutigt sie die Buben, und die fahren symbolisch die Krallen aus.
Gabriele Fuchs ist begeistert vom Talent der Engelsstimmen und es macht ihr sichtlich Spaß, mit ihnen zu arbeiten – auch wenn das ein Novum für sie ist, denn bislang arbeitete sie nur mit Studenten. Ihr geht es darum, „den Kindern ein natürliches Gesangsgefühl zu vermitteln, nichts Aufgesetztes oder gar Manieriertes“, sagt sie.
Darum geht es auch dem Münchner Schauspieler und Moderator Enrico de Paruta, der seit 2004 jedes Jahr Kindersoprane aus allen Regionen Bayerns zusammenbringt, in Workshops und Proben zusammenschweißt und dann mit ihnen bei den Aufführungen des „Münchner Weihnachtssingens“ und seinen Gastspielen in Ingolstadt und Regensburg das Publikum verzaubert. Damit die Kinder mit Freude singen und schauspielen, braucht es Motivation und Zuspruch. Beim Katzenduett klappt es das schon prima, nach drei Stunden schleichen die Kater, fahren die Krallen aus und maunzen aus tiefster Seele, und auch die Mädels zeigen, dass in ihnen nicht bloß Schmusekatzen stecken, sondern temperamentvolle und stimmgewaltige Miezen auf Samtpfoten. Auch in den weiteren Workshops im Sommer geht es darum, Bewegung, Choreografie und Taktgefühl zu üben.
Mark Hogarth, ehemaliger Musical-Darsteller, heute Leiter der Berlitz Sprachenschule München, studiert den Song „I got rhythm“ mit Bewegungen und Choreografie ein, die die Kinder selbst entwickelten. Benjamin Schiefer, Chorleiter, Korrepetitor und Organist des „Münchner Weihnachtssingens“, nimmt sich mehrstimmigen Gesängen an. Er trainierte mit den Kindern auch bereits die Sondereinlage der Engelsstimmen „Es hat sich halt eröffnet“ ein, die bei der diesjährigen Verleihung des musica Bavariae im Rahmen des „Münchner Weihnachtssingens“ am 14. Dezember in der Allerheiligen-Hofkirche aufgeführt wird.
Percussionist und Musikpädagoge Stefan Pellmaier, der die Band „Luz amoi“ leitet, weiß aus seiner eigenen Familie, worauf es ankommt. Seine drei Kinder Clara, Magdalena und Laurenz machen auch mit bei den Engelsstimmen. Er zeigt den Kindern, wie sie mit ihrem eigenen Körper Musik machen können. Bei der sogenannten „Body Music“ steht rhythmische Klangerzeugung mit Händen, Füßen, Fingern und Stimme im Mittelpunkt. „Es macht wahnsinnig viel Spaß, hier mitzumachen“, sagt die elfjährige Anna Hörmannsdorfer aus Bockhorn (Landkreis Erding). Besonders toll für sie ist, dass auch ihre beste Freundin, die zehnjährige Pia Surkau, mitmacht. Die beiden haben sich gemeinsam beworben – schließlich singen sie schon lange in einem Chor zusammen. Jetzt werden sie bald als Solistinnen beim Weihnachtssingen auftreten – natürlich ohne Katzenmusik. An diesem Wochenende beginnen dafür mit weihnachtlichem Repertoire und Gesangsrollen die Proben. „Toll, endlich“, freuen sich die Mädchen schon im August beim Katzenduett. Schon da waren sie vor lauter Vorfreude in Weihnachtsstimmung.