Gala-Premiere im Circus Roncalli

Witz, Poesie und Waghalsigkeiten

von Redaktion

Von Susanne Sasse

Verzauberte Artistik, Magie und verträumte Clownereien in der Manege, das ist seit 40 Jahren die Spezialität des Circus Roncalli. Am Samstagabend ließ sich die Prominenz im Zelt am Leonrodplatz verzaubern von Witz, Poesie und Waghalsigkeiten. Keiner ließ sich das Spektakel entgehen, und so kam es beim Einlass zu dichtem Gedränge und im Zelt auch zu kleineren Pannen: Liedermacher Konstantin Wecker (70) und seine Frau Annik setzten sich versehentlich auf die für Schauspielikone Senta Berger (76) und Kultregisseur Michael Verhoeven (79, gerade von einer Grippe genesen) reservierten Plätze. Doch wie auch in der Manege, wo manche Nummern erst beim zweiten Versuch wirklich reibungslos abliefen, so war es auch im Publikum – eine verzauberte Stimmung voller großer Vorfreude, die kleine Patzer wahrlich nicht verderben können.

„Wir sind schon weg“, räumte Wecker schnell den Platz. Der kleine David Verhoeven (7), Enkel von Senta, sollte ja den besten Platz haben. Oma Senta liebt Zirkus und drückte die ganze Vorstellung lang vor Spannung ihre Hände so aneinander, dass es wirkte, als bete sie für die Darsteller, dass ihre Darbietung auch ja gelingen möge. David zog dann aber doch die zweite Reihe vor, saß zwischen seinen getrennt lebenden Eltern Nina und dem Regisseur Simon Verhoeven (Männerherzen). Dass die beiden trotz Trennung bald nach der Geburt von David viel miteinander unternehmen, das zeigte ihr vertrauter und liebevoller Umgang miteinander.

Eigentlich waren sie sich einig darüber gewesen, den kleinen David nicht fotografieren zu lassen, doch als der voller Stolz mit Oma Senta und Opa Michael posierte, da ließen sie ihn das Blitzlichtgewitter genießen. David meisterte es wie ein Großer, dabei ist er erst seit nicht einmal einem Monat Erstklässler. „Von der Schule ist er begeistert“, erzählte Mama Nina, und, dass David sich eine Fußballschultüte gewünscht hatte. David saß mit seinen Eltern in der zweiten Reihe – auf Simons Wunsch, der zugab, sich davor zu fürchten, eventuell von einem Clown in die Manege geholt zu werden, wenn er ganz vorne sitzt. Clown-nummern sind nämlich nicht so seines, selbst wäre er lieber Artist oder gar Zirkusdirektor. Senta Berger könnte sich dagegen gut vorstellen, in der Manege als „kleiner, dummer trauriger Clown“ die Zuschauer in einer Welt voller Poesie zu entführen.

„Ich wäre gerne Clown, das ist mein Alter Ego, aber nicht einer für die großen Lachnummern. Ich finde es das größte Glück, wenn es gelingt, den Zuschauern ein glückliches Lächeln ins Gesicht zu zaubern“, sagte die schwedische Schlagersängerin und Schauspielerin Bibi Johns. Ihre 88 Jahr sieht man ihr nicht an – Bibi führt das auf die Tatsache zurück, dass sie in ihrem Leben noch nie geraucht hat und auf ihre täglichen Strechtübungen, mit denen sie sich geschmeidig hält.

Die Clowns bewundert, das haben die Promis alle – und fast alle wären auch gerne einer. „Ich wäre gerne ein poetisches Gedichte aufsagender Clown“, sagte Wecker. Er könnte sich aber auch vorstellen, mit Annik Berlin, der Mutter seiner zwei Kinder, mit der er trotz Trennung gemeinsam lebt, zusammen eine Hochseilnummer zu zeigen. „Wenn ich in den Seilen hänge, dann hält er mich, ich vertraue ihm zutiefst“, sagte auch Annik.

Ski-Ass Maria Höfl-Riesch kam mit Mann Marcus und dessen Sohn Luca Popp (11), der nach der Vorstellung sogar mit den Artisten in der Manege tanzte. Die Dreifach-Olympiasiegerin war „ewig nicht im Zirkus“, als Kind liebte sie die Artisten, aber auch die Löwen und Elefanten in der Manege. Selbst auftreten würde sie aber nur, „wenn man mir eine Rampe in die Manege stellt, sonst sind meine Fähigkeiten alle nicht so berauschend“, sagte sie bescheiden. Schauspieler Joseph Hannesschläger (55) wurde von seiner Lebensgefährtin Bettina Geyer (49) und den beiden Patenkindern Franziska (12) und Philipp (10) begleitet. Während sich er selbst eher als Clown sah, würden ihn seine Patenkinder gerne in die Rolle eines Löwenbändigers stecken. „Das ist nett, aber die Dompteurin bei uns ist Bettina, der ist es schließlich auch gelungen, mich zu zähmen“, sagte er mit einem Lachen.

Nichts von Tieren in der Manege hält dagegen Schauspieler Michael Brandner, Sohn eines Dortmunder Bergmanns: „Mein Vater hatte immer Tiere, mal ein Schwein, dann ein Schaf oder auch Hühner, einfach, um sie irgendwann zu essen, und ich habe die Tiere gepflegt und liebe Tiere seit dem sehr“, sagte er. Für Brandner ist es eine große Kunst, als Clown zu begeistern: „Es geht darum, zu faszinieren, und nicht Futter für Gelächter zu sein.“

„Clown ist das, was ich immer schon gerne gemacht hätte“, sagte Schauspielerin Jutta Speidel (63). Sie war schon 1976 Dauergast im Circus Roncalli, saß damals mit den Artisten und Clown nach den Vorstellungen nächtelang im Zirkuswagen. „Ich war verliebt in einen Clown, und zwar in Pic aus dem Duo Pic und Pello“, sagte sie. Aus der Liebe ist zwar nichts geworden, aber damals wuchs auch ihre große Liebe zum Zirkus, und die hält bis heute.

Nicht als Clown, sondern als Artist ginge James-Bond-Bösewicht Götz Otto (49) gerne auf die Bühne: „Ich weiß nicht, ob ich das könnte, aber ich müsste halt trainieren“, sagte der 1,98-Meter-Mann, der so groß ist, dass er sich beim Hereingehen ins Zelt sogar ein wenig ducken muss. In einem Film aus dem Jahr 2000 (Der Bär ist los) spielte er unter der Regie der leider viel zu früh verstorbenen Legende Dana Vávrová den stärksten Mann der Welt. Auch seinen Kindern Luna (14) und Lino (16) gefiel die Vorstellung – denn neben den verspielten Träumereien gab es auch viel Action, beeindruckende Artistik und sogar einen beatboxenden Clown, der alleine mit Mund und Stimme tanzbare Rhythmen schaffen kann.

Eher Fan der leiseren Nummern ist dagegen Schauspieler und Autor Franz Xaver Kroetz: „Mir ist das alles ein wenig zu viel Disco und zu laut, das Orchester rattert durch manche Nummern wie ein Panzer, in meinem Alter sehnt man sich wohl mehr nach den leisen Nummern voller Magie und Pantomime als die Jugend von heute“, sagte der 71-Jährige.

Die laute Musik gar nicht wahrgenommen, weil sie so gebannt war von der Artistik und den „fließenden Statuen“ in der Manege, hat dagegen Veronika von Quast (70): „Wer nicht sicher ist, ob man klassische Clown-nummern noch bringen kann in der heutigen Zeit, der sieht bei Zirkusdirektor Bernhard Paul, dass das wunderbar funktioniert“, lobte sie. Sie wäre ebenso am liebsten Clown wie auch die Kult-Ulknudel Sissi Perlinger, die von Turnschuh bis Schal ausschließlich Leopardenmuster trug. Sie habe sich an dem ganzen Abend keine Sekunde gelangweilt, sagte Perlinger, und gestand: „Ich habe mich sogar ein bisschen verliebt, und zwar in den dicken Clown.“

Zum ersten Mal im Circus Roncalli waren Marianne Hartl und ihr Michael. „Ich hatte meine Märchenbücher, die ich als kleines Mädchen liebte, aus Fleisch und Blut vor Augen, habe gelacht, geschmunzelt, mich gefreut. Einfach Ganserlhaut pur, weitersagen“, lobte Marianne.

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