Da wo er sieben Wochen lang war, wächst kein Gras mehr. Jürgen Vogel (49) drehte auf knapp 4000 Metern Höhe einen seiner bisher anstrengendsten Filme: „Der Mann aus dem Eis“ zeichnet das Leben und Sterben der berühmten Eis-Mumie Ötzi nach. Gefunden 1991, ausgestellt im Bozener Archäologiemuseum, erzählt uns Ötzi viel über das Leben vor 5300 Jahren in den Südtiroler Bergen. Allerdings ist die Handlung im Film frei erfunden, tut aber dem beeindruckenden Spiel von Hauptdarsteller Vogel keinen Abbruch. Am Montag feierte „Der Mann aus dem Eis“ Deutschlandpremiere im Münchner Cinemaxx-Kino. Zuvor traf ihn Kolumnistin Maria Zsolnay zum Interview.
-Eisregen, Höhenluft, nur Fell am Leib – das sieht nach anstrengenden Dreharbeiten aus. Wie haben Sie die durchgehalten?
Die waren anstrengend, ja. Ich hab vorher schon viel gemacht, Krafttraining, Lauftraining, auch in den Bergen. Denn bei knapp 4000 Metern Höhe brauchst du eine gute Durchblutung. Viel trinken ist wichtig, sich gesund ernähren. Deshalb hatte ich auch keinen Ausfall. Vier Leute im Team sind höhenkrank geworden. Zu wenig getrunken, rauchen, da erwischt’s dich.
– Sie rauchen nicht mehr?
Nee, seit vier Jahren nicht mehr.
-Wie haben Sie die Kälte weggesteckt?
Ich muss sagen, dass das Fell echt warm gehalten hat. Ich hatte noch lange Unterwäsche drunter, aber allein das Fell war sehr warm. Wir hatten im Durchschnitt minus 15 Grad da oben. Ich bin aber abgehärtet und ich weiß, was mich erwartet, denn ich hatte mal einen wochenlangen Außendreh bei minus 30 Grad in Norwegen.
-Können Sie jetzt allein im Gebirge überleben?
Wenn ich einen Bogen habe schon, damit ist man klar im Vorteil. Ein Handy nützt nix, denn den Bären kannst du damit nicht erschlagen. Und man muss zäh und hartnäckig sein, aber das bin ich sowieso.
-Und Ötzi war das auch…
Der war fit, total. Beeindruckt hat mich auch das Material, das man bei ihm gefunden hat. Eben den Bogen, die Pfeilspitzen, die Harke. Das Equipment vor 5300 Jahren – das hatte ich so nicht erwartet, da habe ich echt was gelernt. Ich bin ein stolzer Ötzi.
-Vieles habt ihr aber auch dazu erfunden…
Der Film erfindet die Geschichte vor dem Tod, wie es hätte sein können, aber mit einer realistischen Kulisse: Die Häuser haben aber so ausgesehen, das weiß man. Man weiß auch, dass sie in Stämmen zusammengelebt haben, Ziegen hatten. Auch haben wir mit einem Sprachwissenschaftler zusammengearbeitet. Wir sprechen eine Urform des Italienischen, so wie es gewesen sein könnte.
-Gehen Sie nach so einem Dreh noch gern in die Berge?
Klar, ich genieße es sehr, in den Bergen zu sein, zu wandern. Früher, als junger Typ fand ich das total langweilig. Aber jetzt, das ist schon echt geil. Wenn du fünf Stunden wanderst, ist das auch körperlich eine Herausforderung. Du verbrennst wahnsinnig viel Kalorien.
-Wo gehen Sie wandern?
Ich war in Portugal, Madeira, mit meiner Freundin, zehn Tage lang. Wir haben lange Wanderungen gemacht, so fünf Stunden, eine sogar sieben Stunden.
-Nehmen Sie die Kinder mit?
Also mein Kleiner, der ist jetzt acht, hat mich auch am Set in Südtirol besucht und eine Fünf-Stunden-Tour mitgemacht. Danach ist er in den eiskalten Bergsee gesprungen und länger drin geblieben als ich. Sehr sehr tapfer, der Kleine.
-Und die anderen Kinder?
Die sind alle schon ausgezogen. Ich habe vier Kinder über 18 Jahre.
-Und Sie sind schon Opa?
Wenn man früh anfängt, dann ist klar, dass man auch früh Opa wird.