Die Nacht der einsamen Herzen

von Redaktion

Ein modernes Weihnachtsmärchen? Nein! Was die Schauspieler Jutta Speidel (63) und August Schmölzer (59) mit Peter Turrinis (73) Theaterstück „Josef und Maria“ auf die Bühne bringen, hat wirklich nichts mit Bethlehem und Jesus Christus zu tun. Im Gegenteil. Es geht um ersehnte Liebe, um verkorkste Existenzen, um zwei verlorene Seelen, die ein einsames, trauriges Leben führen. Bei ihrem Job als Aushilfsputzfrau und Aushilfswachmann in einem Kaufhaus lernen sie sich kennen – an Heiligabend. Eine Begegnung, die ihr tristes Leben verändern wird. Vor der heutigen Premiere, um 19.30 Uhr in der Komödie im Bayerischen Hof, haben sich Speidel und Schmölzer mit Kolumnistin Teresa Winter über Wünsche, Weihnachten und Tango unterhalten.

-Waren Sie an Weihnachten auch schon mal einsam?

Jutta Speidel: Als junges Mädchen habe ich mit Rainer Erler „Die letzten Ferien“ gedreht. An Weihnachten sind alle in Spanien geblieben. Das war furchtbar traurig für mich, weil sich jeder in seine Bude zurückgezogen hat und ich wie ein verlorenes Huhn am Strand entlang lief und geheult habe, weil ich zum ersten Mal nicht zu Hause war.

August Schmölzer: Es ist zwar schön, wenn man an Weihnachten mit einem geliebten Menschen zusammen ist, aber es genügt auch, wenn es nicht anders geht, dass man um den anderen weiß. So bin ich mal an Heiligabend in Kapstadt am Felsen gesessen, bei strahlendem Sonnenschein, habe an meine Lebensgefährtin gedacht und bin in den Ozean gesprungen. Das war wunderschön.

-Wie feiern Sie Weihnachten?

Speidel: Ich werde Weihnachten ganz normal mit meiner Familie verbringen ohne großes Brimborium. Bei uns ist es immer ein Fest mit Familie und Freunden.

Schmölzer: Ich mag Weihnachten sehr. Mit meiner Lebensgefährtin werde ich zu Hause sein, etwas vorbereiten und kochen, und dann einen langen Spaziergang auf den Friedhof zum Grab meines Vaters machen. Ich hoffe, in der Steiermark liegt Schnee. Danach gehen wir nach Hause und machen den Kamin an, einen guten Wein auf, legen schöne Musik ein und essen etwas. Wir schauen, dass wir einfach Ruhe haben, vielleicht gehen wir dann später spontan noch zur Mitternachtsmette im Ort.

-Und was wünschen Sie sich?

Speidel: Ich habe keinen Wunsch, aber ich freue mich wahnsinnig auf die Augen meines elf Monate alten Enkelsohnes, wenn er an seinem ersten Weihnachten zum ersten Mal den Christbaum sieht.

Schmölzer: Mir geht es so gut in meinem Leben, ich werde geliebt und ich habe alles, deshalb wünsche mir, dass es so bleibt. Ich möchte auf keinen Fall bekannter werden und weiterhin gute Arbeiten machen, das genügt mir schon.

-Im Stück geht es auch um unerfüllte Träume und Wünsche. Haben Sie welche?

Speidel: Ich bin so ein Mensch, der im absoluten Heute lebt und ich trauer eigentlich gar nichts hinterher. Ich finde, ich habe ein sehr reiches Leben gehabt und hoffe, dass es noch lange reich bleibt. Ich halte auch nichts davon, sehnsuchtsvoll einer Illusion hinterherzujagen, weil ich kann’s ja nicht mehr ändern.

Schmölzer: Ich habe das Glück, dass ich Schauspieler bin, Kinofilme drehe, schon Drehbücher geschrieben habe, sogar schon ein Kindertheaterstück gemacht habe und auch den Roman „Der Totengräber im Buchsbaum“ herausgebracht habe, der nächstes Jahr verfilmt werden soll. Ich habe also alle Möglichkeiten.

-Speidel und Schmölzer – die perfekte Besetzung?

Speidel: Ich habe mir gleich gedacht: Das wäre perfekt! Ich glaube, wir haben beide sehr ähnliche Vorstellungen, was unseren Beruf angeht, sind beide sehr professionell, sehr diszipliniert und wollen die gleichen Dinge. Wir sind beide sehr unabhängig, hecheln nicht großen beruflichen Höhen hinterher, sondern wir machen unsere Arbeit und sind froh, wenn wir Erfolg damit haben.

Schmölzer: Genau! Wir gehen mit Respekt miteinander um und haben einen ähnlichen Humor. Die Jutta ist einfach eine ganz ganz hochprofessionelle, tolle Kollegin!

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