„Emmanuel der Große“ wird 40

von Redaktion

Präsident Macron machte beispiellose Blitzkarriere – Wegen von Optimismus strotzender Botschaften wird er als „Anti-Trump“ bezeichnet

Ein schöneres Geschenk kann sich Emmanuel Macron kaum wünschen: Pünktlich zu seinem 40. Geburtstag am Donnerstag bescheinigen ihm erstmals mehr als 50 Prozent der Franzosen in Umfragen, „ein guter Präsident“ zu sein. Das ist Wasser auf die Mühlen des jüngsten Präsidenten, den die französische Republik je hatte. Und es ist ein Dämpfer für seine Kritiker, die nicht müde werden, Macron als „Sonnenkönig“ zu verspotten.

Ihnen hat der Präsident gerade erst wieder Futter gegeben, als er mit seiner Familie eine vorgezogene Weihnachts- und Geburtstagsfeier auf dem Renaissanceschloss Chambord an der Loire feierte. Zwar hat er Kost und Logis aus eigener Tasche bezahlt, aber die Opposition zur Linken wie zur Rechten fühlt sich in ihrem Urteil bestätigt, der frühere Investmentbanker sei ein „Präsident der Reichen“ mit den Allüren eines Ludwig XIV. Macron selbst beschreibt sich in einem gerade veröffentlichten Fernsehinterview ganz unbescheiden als „39 Jahre alten Präsidenten, der aus dem Nichts gekommen ist, und mit dem Frankreich Europa und die Welt verblüfft hat“.

Das „Time“-Magazin aus den USA nennt ihn bereits den „nächsten Anführer Europas“, für seine Pläne zur Reform der Europäischen Union erhält er im kommenden Jahr den Aachener Karlspreis. Diese Vorschusslorbeeren verdankt Macron auch der derzeitigen Schwäche von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die in die Regierungsbildung verstrickt ist.

Macrons Blitzkarriere ist beispiellos. Sie lässt sich teilweise durch das erklären, was seine Anhänger „Charisma“ nennen und seine Kritiker einen ausgeprägten Hang zur Selbstdarstellung. Auf Twitter und Facebook steht er einem Donald Trump nicht nach, aber seine Botschaften strotzen stets von Optimismus. Die Wirtschaftszeitung „Les Echos“ nennt ihn deshalb einen „Anti-Trump“.

Dazu legt er einen atemberaubenden Aktionismus an den Tag. In nur sieben Monaten im Amt hat sich Macron als der Präsident inszeniert, der Frankreich durch Reformen aus der Krise führt und ganz nebenbei Europa und den Planeten rettet. Macron hat den „Bruch mit den Traditionen“ versprochen und die traditionelle Parteienlandschaft auf den Kopf gestellt. Aber zugleich verkörpert er das System: Wie fast alle französischen Politiker hat der Sohn aus bürgerlichem Elternhaus die Elite-Kaderschmieden Sciences Po und ENA absolviert. Nach einem Posten bei einer Investmentbank wurde er 2012 Wirtschaftsberater von Staatschef François Hollande, nur zwei Jahre später sein Wirtschaftsminister.

Von dem Amt trat er im Sommer 2016 zurück, um sich seiner Bewegung „En Marche!“ (In Bewegung) und seinen Präsidentschaftsambitionen zu widmen. Er schlug überraschend deutlich die Rechtspopulistin Marine Le Pen und zog als jüngster Präsident in den Elysée-Palast ein.

Seitdem wirbelt der Mann mit den Siebenmeilenstiefeln Frankreich und die EU mit seinen Reformplänen auf. Und Deutschland: Wenn es wieder eine große Koalition geben sollte, dann auch, weil Macron die SPD dazu gedrängt hat – im Interesse Europas. Aber natürlich zuvorderst im eigenen Interesse: Denn für seine Reformpläne braucht Macron eine starke Kanzlerin. So vertraut wirken Merkel und Macron auf vielen gemeinsamen Bildern, dass Spötter in Frankreich behaupten, Macrons 64 Jahre alte Frau Brigitte sei eifersüchtig auf die ein Jahr jüngere Merkel. An seinem heutigen 40. Geburtstag ist er so alt wie der Durchschnittsfranzose. Aber auch 2018 gilt: Dieser Präsident wird alles tun, um nicht als Durchschnitt zu gelten.

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