Vom Suchen der Liebe

von Redaktion

Wie Bestseller-Autor Michalis Pantelouris nach dem Ende seiner Ehe einen Internet- und Buch-Hit mit Liebesbriefen landete

Valentinstag. Gedenktag eines Märtyrers. Gefühlt eine Erfindung der Blumenhändler und Süßwarenhersteller, inzwischen aber auch schon von McDonald’s entdeckt– sogar die Fastfood-Kette bietet ein Drei-Gänge-Menü für Romantiker an, um die Liebenden einzufangen, wie fast alle anderen Restaurants der Stadt. Und was machen jetzt die, die niemanden haben? Die auf der Suche nach ihrer zweiten Hälfte sind und die dieser 14. Februar ganztags an diese Lücke erinnert? Kolumnistin Ulrike Schmidt meint, ein Buch könnte Trost spenden. Von einer Art Märtyrer der Liebe. Von einem, den die Liebe völlig überraschend verlassen hat und der seit über zwei Jahren wieder auf der Suche ist – nach seiner zukünftigen Lieblingsfrau. Er tut das mit Pathos und den allerschönsten Worten, mit denen der Verlust und das Suchen erzählt werden können – erst als Internetkolumne des „SZ-Magazins“, inzwischen in einem Buch. Titel: Liebe zukünftige Lieblingsfrau. Der Journalist und Buchautor Michalis Pantelouris (43).

Die überwältigende Reaktion seiner Leserinnen hat die Welt des Autors Michalis Pantelouris ein zweites Mal auf den Kopf gestellt – das erste Mal war die „Explosion“, als seine große Liebe die schlimmsten drei Worte seines Lebens sprach: „Es ist vorbei.“ Vorbei! Nach zehn Jahren Ehe. Allein die zweiKatzen Willy und Hummel sind in der Einsamkeit geblieben, die jede zweite Woche durch die Töchter, Nummer eins und Nummer zwei (14 und 10) in der Mietwohnung in Hamburg-St. Pauli unterbrochen wird. Bevor Nummer eins und Nummer zwei auf der Welt waren, lebte der gebürtige Berliner mit griechischer Sonne in den Genen einige Jahre in München und in Zürich – als „Textsöldner“ für Magazine und Zeitungen. Jetzt, nach 20 Jahren des Schreibens, entstand das bislang populärste Werk seines Lebens – die Briefe an die Liebe zukünftige Lieblingsfrau, die erst zum Internet- und dann Buch-Hit wurden. Tausende von Heiratsanträgen und Liebesbriefen hat Michalis Pantelouris mit seiner Single-Kolumne an die fiktive Lieblingsfrau gesammelt. Eben, weil er darin so offen sein Herz zu Markte trägt, seine Verwundung zeigt, nachdem sich seine eigentliche Lieblingsfrau entliebte, ohne dass er es bemerkt hatte, was ihm immer noch ein Rätsel ist. Aber auch die Ängste und Unsicherheiten auf dem Weg zu einer neuen Frau fasst er in so anrührende Worte, dass jedes Mal der Facebook-Account explodiert, wenn Pantelouris so einen Brief online stellt – mit vielen Fragen. „Wie soll ein Mann eine Frau überhaupt erfolgreich ansprechen, ohne dass sie denkt: Oh, bitte nicht!?“ Er beschreibt aber auch die Zweifel und Panikattacken, wenn eine Frau im Bett neben ihm liegt, weil so viel Erinnerung, die Trauer um das Verlorene an die Oberfläche drängt.

Michalis Pantelouris hat aus Notwehr mit dem Briefe schreiben angefangen: Wochen-, monatelang hatte er nichts mehr Vernünftiges zu Papier gebracht. Die Singlekolumne war die Rettung, das Einzige, was nach langer Zeit überhaupt funktioniert hat. Schon der erste Online-Brief an die Liebe zukünftige Lieblingsfrau übertraf alle Erwartungen: 400 Heiratsanträge füllten E-Mail- und Facebook-Accounts oder kamen per Post. Irgendwann nach 1000 hörte Michalis Pantelouris zu zählen auf. Aber noch lässt die künftige Lieblingsfrau auf sich warten, doch Michalis gesteht vielversprechend: „Ich arbeite daran!“

Liebesbriefe, Heiratsanträge, Ermunterungen – tausende Botschaften gingen bei Michalis Pantelouris ein. „Ich hab’s nicht mehr geschafft, auf alle Zuschriften zu antworten“, gesteht er im Interview mit Kolumnistin Ulrike Schmidt. Die beiden kennen sich seit seiner Münchner Zeit – deshalb im vertrauten Du:

-Michalis, ein Mann, der so offen fühlt und denkt wie Du – wie konnte Dich Deine Frau verlassen?

Ja, das war ein Bombeneinschlag! Völlig unerwartet. Ich wär’ mit dieser Frau für den Rest meines Lebens zusammengeblieben. Sie war die Liebe meines Lebens, ich habe auch nie etwas anderes gewollt. Die erste Zeit war die Hölle.

-Es muss aber doch einen Grund für den Bombeneinschlag gegeben haben?

Ja natürlich, ich bin ja auch nur ein Mann und ein genauso komplizierter Mensch wie andere auch! Das, was offensichtlich ist: Ich bin ein Chaot und einer, der mit seinem Kopf an 15 Stellen gleichzeitig und dadurch manchmal sehr abwesend ist. Die simple Tatsache, dass ich wahnsinnig verliebt in meine Frau war, ist vielleicht auch nicht immer abendfüllend. Das ist toll für mich, aber das echte Privileg ist, wenn jemand Deine Liebe annimmt. Ich kann so eine Liebe möglicherweise besser aufschreiben, als dass ich sie in jeder Sekunde vermitteln kann. Die Fehler macht man, wenn man glücklich ist. Und ich hab’s echt nicht gemerkt.

-Was würdest Du in einer nächsten Beziehung anders machen?

Hoffentlich würde ich mich wieder genauso hineinstürzen und allen Tendenzen widerstehen, den anderen ändern zu wollen. Das ist zwar ein Klischee, aber es ist etwas dran: Frauen heiraten Männer in der Hoffnung, dass sie sich verändern; Männer heiraten Frauen in der Hoffnung, dass sie sich nie verändern. Ich hoffe, dass mir das hilft, den Fehler beim nächsten Mal ein bisschen weniger zu machen.

-Und Dein verwundetes Herz führte nun die Feder für Deine Kolumne…

Ich habe nie zuvor so viel Resonanz auf etwas von mir Geschriebenes gehabt. Ich vermute, weil ich mich da nicht versteckt habe. Wenn ich gewusst hätte, welchen Erfolg die Kolumne haben würde, hätte ich vielleicht ein Pseudonym genommen – so wurde ich jetzt zu einem emotionalen Nacktmodell. In einer Bar haben mich kürzlich zwei 25-Jährige angesprochen, die zwei Zitate aus der Kolumne auf dem Bildschirmhintergrund ihres Handys geladen hatten. Sie sagten mir, ich hätte ihnen die Hoffnung an die Männer zurückgegeben. Ich bin zu einer Projektionsfläche geworden.

-Wie viele Frauen hast Du dann von Angesicht zu Angesicht getroffen, die sich über Deine Kolumne verliebt haben?

Zwei. Weil sie so zauberhaft darum baten, mit mir ein Bier trinken zu gehen. Eine davon schrieb sozusagen eine Gegenkolumne „Lieber zukünftigen Lieblingsmann“. Aber es fühlte sich falsch an, über diese Kolumne etwas anzufangen.

-Weißt Du denn, was Frauen wollen?

Ich hatte tatsächlich nie Probleme damit, Frauen kennenzulernen, obwohl ich es zwölf Jahre lang gar nicht versucht habe. Aber ich war und bin mein ganzes Leben nur von Frauen umgeben, nur mit Frauen aufgewachsen, sehr lauten Frauen. Mein Vater, ein Diplomat, war eher still und leise. Doch meine Mutter war eine Alt-68erin, ich bin in einem Emanzen-Haushalt aufgewachsen.

-Wie müsste Deine Traumfrau sein?

In der Kolumne schreibe ich: Ich suche keinen Typ Frau, ich suche einen Typ Nähe. So ungefähr ist es. Ich finde, Humor ist immer noch das Sexieste auf der Welt. Es gibt ein paar Dinge, die muss man zusammen machen können: Lachen ist das Allererste, Essen und Trinken und Unsinn machen gehört ebenfalls ganz vorn dazu. Das, was mich an meiner Frau immer weggehauen hat: Dass sie immer sie selbst war.

-Wie willst Du Deine Lieblingsfrau nun finden – und was in ihr?

Meine Vorstellung von einer neuen Beziehung ist sehr unkonkret. Ich weiß nur so viel: Man muss den Mut aufbringen, sich wieder voll und ganz reinzuwerfen und auch jedes Mal wieder mit wehenden Fahnen untergehen und sich wieder irgendwie aufrappeln – egal, wie lang das dauert, bis ich sie gefunden habe.

-Wie viele Mädelsgeschichten waren da, nachdem Deine Frau gegangen war? Sei ehrlich!

Ich hatte so Phasen, verletztes Ego zum Beispiel, wo du sehr sexgetrieben bist, mit One-Night-Stands. Und dann gab es auch vorsichtige Versuche, wieder etwas anzufangen, obwohl ich eigentlich noch gar nicht so weit war. Wenn es die zukünftige Lieblingsfrau schon gibt, dann ist es mir noch nicht bewusst.

Das Gespräch führte Ulrike Schmidt

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